Inwieweit kann man einem fremden Menschen vertrauen? Wieviel kann ich von mir selbst preisgeben, ohne blossgestellt zu werden?
Mir wird manchmal nachgesagt, ich sei naiv und öffne mich anderen Menschen viel zu schnell. Ich falle auch oft darauf herein, wenn man mich auf den Arm nimmt. Ich kann weder gut lügen noch anderen etwas vormachen. Ich kann gut über meine Gefühle reden, sie aber nicht gut verbergen. Vielleicht wurde ich einfach “zu ehrlich” erzogen. Vielleicht glaube ich einfach an das Gute im Menschen und bin nicht darauf vorbereitet, angeflunkert zu werden.
Hier im Blog bin ich vorsichtig. Glaube ich. Aber ich fange teilweise schon wieder an, wie aus dem Nähkästchen zu plaudern, was ich dieses Mal vermeiden wollte. Hab ich schonmal erwähnt, dass ich deswegen meinen alten, viel offeneren Blog geschlossen habe? Ein Tagebuch ist nicht dazu da, dass Bekannte und Freunde drin lesen. Versteht mich nicht falsch, anonymes Feedback ist schön, ehrt mich und ist auch erwünscht. Jeder Mensch hat irgendwo ein Mitteilungsbedürfnis. Aber wenn Leute aus dem Freundeskreis erführen, was sich in meinem Kopf abspielt… Ich würde mich nicht sehr wohl fühlen. Komische Haltung? Möglich.
Man öffnet sich Menschen meist nur zu einem Teil, lässt sie einige Puzzlestücke sehen und verschliesst dann die Schachtel des Selbsts wieder. Gute Freunde dürfen einen grösseren Blick erhaschen. Einige Puzzlestücke sind eben anders. Man möchte sie nicht allen zeigen, weil dann vielleicht derjenige plötzlich keine Lust mehr hat, weiter zu puzzlen. Und hier im Blog kommen einige Puzzlestücke zum Vorschein, die sonst noch keiner gesehen hat. Vielleicht erblickt man sogar einmal die Rückseite eines Teils und sieht etwas völlig anderes als das Motiv auf der Vorderseite. Aber wenn jemand, der bereits einen Teil des Gesamtbildes zusammengesetzt hat, Einblick auf diese speziellen Teile erhält, dann verfälscht dies den Eindruck. Plötzlich sieht das Bild ganz anders aus. Es würde vielleicht nicht mehr passen. Man würde sich diesem Menschen gegenüber nackt fühlen.
Wie sehr kann ich also einem Menschen trauen? Ich selbst kann von mir behaupten, ein Geheimnis für mich behalten zu können. Man kann mit mir über alles reden, und ich versuche auch, jeden Standpunkt, so weit es mir möglich ist, zu verstehen und zu akzeptieren. Das ist schwierig, manchmal, und es gelingt nicht immer. Noch schwieriger ist es für mich, am Gegenüber zu erkennen, wann er es ernst meint. Und wann ich verarscht werde.
Es gibt Personen, denen möchte ich mein Herz ausschütten. Ich habe aber Angst davor, was sie damit anstellen.
Ich versteh dich in dieser Hinsicht zu sicher 105% … In meinem Blog ist es genauso, dass ich ihn niemanden zeigen möchte, der mich kennt, da es ein ganz anderes Licht auf mich werfen würde. Ich hätte immer die Gedanken, dass ich die Leute denken höre, das ich mir vorstelle, wie sie über mich urteilen und sowas …
Weißt du, es gibt viele Leute, die mich unterschiedlich kennengelernt haben. Die Leute, die mich in meinem Blog als die Person kennenlernen, die dort schreibt, verwehre ich einen Einblick in meine richtige Identität, während ich den Leuten aus meinem persönlichen Umfeld den Einblick in meinen Blog verwehre.
Aber da gibts, meiner Meinung nach, kein Problem mit Freunden … Es bilden sich eben Freundeskreise, die nichts miteinander zu tun haben und das ist für mich okay.
Verstehst du, was ich meine? :-)
Von: Who Knows am 213. Januar 2008
um 21:22
ja… auch ich pflege unterschiedliche freundeskreise. ich denke, das tun alle. ich habe noch niemanden kennengelernt, der komplett transparent ist. für mich persönlich wäre das auch eine horrorvorstellung ;)
Von: aprikose am 213. Januar 2008
um 22:14
Liebe Aprikose,
wovor fürchtest Du Dich? Wer ist verantwortlich für das was Du in Deinem Leben tust? Was kümmert Dich die Meinung von anderen? Welchen Nachteil hättest Du davon, wenn andere ein etwas größeres Puzzleteilchen von Dir erhaschen?
Die Welt ist immer so, wie Du sie erschaffst und Du bekommst, worauf Du Deine Aufmerksamkeit legst.
Ich teile Deine Ängste nicht…und was ich schreibe, darf jeder mit mir in Verbindung bringen. Bin ich deswegen eine Horrorvorstellung für Dich?
Ich wünsche Dir ein gutes und entspanntes Wochenende und wünsche Dir viele gute Menschen, die Dein Vertrauen verdienen.
Besser und besser,
Gaba
Von: Gaba am 213. Januar 2008
um 22:35
Kann dich gut verstehen, bin in meiner Vergangenheit oft ausgenutzt worden und so habe ich jetzt nur noch einen super guten Kumpel und eine beste Freundin. Denen kann ich vertrauen.
Dennoch, mein Tagebuch kennen sie nicht. Das es meine Traumfrau kennt, wegen der ich das Tagebuch schreibe, ist zwar etwas komisch, aber in Ordnung…
Auch wenn es vielleicht falsch ist, ich traue fast niemandem, denn irgendwann kann immer mal alles gegen mich verwendet werden =(
lg
sadboy
Von: sadboy81 am 213. Januar 2008
um 22:52
liebe gaba,
du magst recht haben. du schreibst aber über ansichten, überzeugungen und lehren. diese vertritt man auch in der öffentlichkeit.
ich jedoch schreibe über meine gefühle, meine verwirrten gedanken, kehre mein innerstes nach aussen. und das möchte ich nicht mit jedem teilen, weil es etwas intimes an sich hat.
und nein, du bist sicher keine horrorvorstellung ;)
hi sadboy,
ich finde es sehr mutig von dir, deinen blog trotzdem offen zu lassen. ich wünschte, ich würde diesen mut auch aufbringen :)
Von: aprikose am 213. Januar 2008
um 23:29
es gibt menschen, denen möchte ich mein herz ausschütten…
TU ES. Wenn Dein Bauch, liebe Aprikose, das sagt, dann solltest Du Deinem Gefühl folgen.
Enttäuschungen wirst Du trotzdem haben. Wem Du vertrauen kannst, weißt Du immer erst hinterher. Aber einlassen auf andere, auf die, denen Dein Bauchgefühl vertrauen würde, das darfst Du schon ausprobieren.
Nur vom anonymen Feedback im Netz kannst Du Deine Gefühlswelt nicht ernähren.
Und by the way: Wenn Du Dich ganz stark fühlst, dann schließt Du Deinen Blog nicht, sondern machst es wie Gaba und ich: Dann wird eines Tages ein nicht-anonymer Internet-Auftritt für Dich denkbar.
Bis dahin grüße ich Dich herzlich, Ulf
Von: Ulf Runge am 213. Januar 2008
um 23:30
lieber ulf,
es ist nicht so, dass ich diese dinge nur hier schreibe und sonst in mich hineinfresse. jeder gute freund, jede gute freundin erhält ein seltenes puzzlestück, aber hier im blog sind sie (fast) alle auf einem haufen.
eines tages vielleicht, ja, unter anderem namen, neu angefangen, mit etwas erwachseneren gedanken. vielleicht. aber vorerst möchte ich es so beibehalten, denn, wie ich schon vorhin geschrieben habe, unterscheiden sich unsere blog-arten ein wenig.
es tut mir gut, mir dinge von der seele zu schreiben, die mich beschäftigen. aber ich möchte sie doch bis zu einem gewissen grad geheim halten. man liest ja auch nicht unaufgefordert im tagebuch der besten freundin / des besten freundes ;)
liebe grüsse und gute nacht
aprikose
Von: aprikose am 214. Januar 2008
um 00:55
Mh, Menschen sind Menschen und man findet sich irgendwann damit ab. Damit sagen will ich, das leider Gottes jeder dich hintergehen kann. Jeder. Egal wie gern Sie/Er dich hat, egal welche Tragweite dein Geheimnis besitzt – alles nicht wichtig. Weil letztendlich jeder schwache Momente hat. Gerade nach einem deftigen Streit kann aus Wut soviel gesagt-, aus Trotz soviel weitererzählt werden…
Das bedeutet jedoch nicht, dass man sich verschließen sollte und rein gar niemanden mehr etwas anvertraut. Es “lüftet” die Seele aus, denke ich. Lässt einen nicht allein mit Informationen leben, die schwer verdaulich sind. Man “teilt” etwas, tauscht ein Stück seiner selbst gegen das von jemand anders in dem Moment. Gibt dem anderen das Gefühl “besonders” wichtig zu sein, weil man ihm sagt was man sonst keinem sagen würde.
Ob man Menschen vertrauen kann? Nein, eher nicht. Sollte man es ab und an? Ja, auf jeden Fall.
Von: Tom am 214. Januar 2008
um 11:12
Hallo, Aprikose-chan ^_~
Also ich muss dir zustimmen.
Ich z.b. habe keine Lust, dass ich ein offenes Buch bin, in dem jeder Lesen kann, mich damit identifiziert und mir im realen Leben begegnet und direkt weiß, was für Vorlieben ich hab, was für Abneigungen etc.
1.~~ Hätte ich dann nie wieder Vertrauen, und wenn nur ganz schwer, weil wirklich jeder sich so verhalten kann, wie du es gerne möchtest. Deshalb mag ich die Menschen, die authentisch sind so sehr. Und deshalb würde ich nie ein intimes online Tagebuch führen, wenn man mich damit in Verbindung bringen könnte (auch so würde ich es nicht tun, Gedichte sind eine schöne Art und Weise, die Wahrheit zu verschnörkeln, sodass sie nur erahnt werden kann).
Und 2.~~ Hätte ich kaum Vertrauen in eine Person, die selber so eines schreibt: – Sie könnte alles vortäuschen, weil sie irgendwelche Hoffnungen damit hat – oder sie könnte von allen Seiten ausgenutzt werden.
lg Mako <~
PS) Ich merks schon wieder, mein Kommi wird zu lang…
Von: makochou am 214. Januar 2008
um 14:23
hallo tom,
du erinnerst mich an eine sehr gut befreundete person. als ich sie gefragt habe, ob ich ihr etwas anvertrauen könne, hat sie geantwortet: “nein. grundsätzlich kann man niemandem wirklich vertrauen. ich kann dir auch nur versprechen, dass ich versuchen werde, dein vertrauen nicht zu enttäuschen. ob du es tust oder nicht ist deine sache…”
(ja, diese person hat es dann anvertraut bekommen)
und wie das sprichwort doch so schön sagt – geteiltes leid ist halbes leid. ich stimme dir also vorbehaltslos zu :)
auch wenn ich den menschen grundsätzlich eher vertraue als nicht.
liebe mako-chan,
das sind harte worte in meinen ohren. zu deinem ersten punkt: authentizität ist schwer zu erreichen. ich glaube, jeder mag solche menschen, weshalb sie meist gute führungspositionen bekleiden (könnten). in meinem freundeskreis gibt es jemanden, den ich so bezeichnen würde und der auch charisma ausstrahlt. auch ich mag diese art.
aber macht man sich so nicht auch ein wenig transparent?
ich beneide aber menschen, die all dies beherrschen. der krönende abschluss wäre wohl die mythische “selbstverwirklichung”.
dein zweiter punkt trifft mich jetzt ein wenig. du könntest mir also kaum vertrauen? ich sehe das als sehr negativen ansatz. bei mir ist es eher andersrum: ich vertraue menschen eher, wenn sie persönliches erwähnen, von sich erzählen anstatt nur oberflächlich bleiben. gefühle lassen sich nicht so leicht fälschen wie tatsachen.
ein persönliches, intimes tagebuch ist dir zuwider. aber ob man nun mit prosa oder lyrik der wahrheit entlang schrammt, macht in meinen augen keinen allzu grossen unterschied ;)
ich frage mich auch, was man sich von so etwas erhoffen könnte, wenn man alles vortäuscht?
liebe grüsse,
aprikose
Von: aprikose am 214. Januar 2008
um 23:16
Wundert mich ned das in unserer schnellebigen welt sich vertrauen entwickeln kann. wenn man die scheidungsraten und geburtenrückgänge ansieht. Liebe ist Krieg. Yeah, auf in die Schlacht, Babe!
Von: Sichselbstversteher am 217. Januar 2008
um 14:26
@ Aprikose-Chan ^.~
Bin wieder da +lach+ ^^
Ich glaube, du hast meinen zweiten Punkt missverstanden. ^^
Ich meinte nicht, dass ich die Personen, die ein intimes Tagebuch schreiben, generell nicht vertraue. Vielmehr, dass es schwer ist, Personen zu vertrauen, die ein intimes öffentliches Tagebuch führen und trotzdem nicht anonym sind (mehr oder weniger).
Denen würde ich zuerst mit misstrauen begegnen. Ach man.. +seufz+
Ich glaub, dass kommt auf die Person an. hm.. Und verletzen wollte ich dich auch nicht. ^^
Und ja, ich vertraue auch Menschen mehr, wenn sie mehr von sich erzählen, persönliches erzählen. Allerdings sollte dieses dann auch bevorzugt ‘real’ geschehen.
>>ein persönliches, intimes tagebuch ist dir zuwider. aber ob man nun mit prosa oder lyrik der wahrheit entlang schrammt, macht in meinen augen keinen allzu grossen unterschied ;)<<
Punkt, Punkt, Punkt…
Da hast du nun auch wieder recht… ich weiß schon, warum ich keine guten Noten in Erörterungen bekomme +lach+
liebe Grüße, Mako <~
Von: makochou am 222. Januar 2008
um 12:54
hi mako-chan :)
ups, da hab ich dich wohl ziemlich missverstanden, ja.
aber sind solche personen, wie du sie beschreibst, dann nicht authentisch? sie schreiben und sagen, was sie denken, sind dann aber eben “transparent” – für jeden.
aber wie du sagst, das kommt immer auf die person an. ich fände es komisch, wenn sich jemand so absolut “an den pranger stellt”. jeder mensch sollte geheimnisse haben ;)
Allerdings sollte dieses dann auch bevorzugt ‘real’ geschehen.
das sind die besten freunde und freundinnen. sie erfahren vieles, vielleicht nicht alles, aber vieles. und da geschieht es dann auch “real”.
trotzdem ist das hier eine gute hilfe für mich. ich merke, dass es mir besser geht, wenn ich mir dinge von der seele schreibe (wie ich oben schon mal erwähnt hatte).
ich weiß schon, warum ich keine guten Noten in Erörterungen bekomme +lach+
keine sorge, die hatte ich auch nie – meinen interpretationen fehlten immer die argumente ^^
sichselbstversteher – ein bisschen arg sorglos in dieser welt, findest du nicht? ;)
aber die lockere art muntert auf, auch wenn man in meinen augen nicht das ganze leben auf diese weise bestreiten kann :)
liebe grüsse,
aprikose
Von: aprikose am 222. Januar 2008
um 13:25
Hi, Aprikose-Chan ^.~
Hab vorhin schon gesehen, dass du auch on bist.^_^
Jap, da stimme ich dir zu.
Jeder Mensch sollte Geheimnisse haben (und sei es auch nur, dass man dem Nachbarn eine Kirsche gemopst hat). Und wie ein Motto von mir sagt: >>A secret makes a woman woman<>dass es mir besser geht, wenn ich mir dinge von der seele schreibe (wie ich oben schon mal erwähnt hatte).<>diese Weise<<? ^.^ Ich bin ganz Ohr. ^^
Mako <~
Von: makochou am 222. Januar 2008
um 13:35
ein schönes motto! aber das darf man doch auch auf männer ausweiten, nicht? wär ja nicht spannend, wenn nur das eine geschlecht erforscht werden kann ;)
liebe grüsse,
aprikose
Von: aprikose am 222. Januar 2008
um 19:58
+lach+
Klar kann man das auf Männer ausweiten. Ist jedem selbst überlassen. Aber da ich nu mal ein weibliches Wesen (hehe ..) bin, hab ich das Zitat genauso übernommen. ^-^
Von: makochou am 222. Januar 2008
um 21:06