Verfasst von: aprikose | 156. Januar 2009

Achterbahn

Ich habe das Gefühl, in den letzten Tagen so viel geredet zu haben wie in meinem ganzen Leben nicht. Mit besten FreundInnen, aber auch mit meinem Traummenschen, denn beinahe wäre der ganze Zauber erloschen. Ich war… erschöpft. Ich traute mich nicht mehr ins Büro, weil ich wusste, dass ich dort keinen Finger rühren würde, sondern meinen Gedanken nachhängen würde, Gedanken, die immer wieder um dasselbe kreisen. Für den Grund muss ich aber weiter ausholen…

Ich bin kein Mensch, der Gefühle gut deuten oder gar zwischen den Zeilen lesen kann. Wenn man mich nicht mit der Nase auf einen Sachverhalt drückt, nehme ich ihn nicht wahr… Die Ursache dafür liegt wohl tiefer, oder besser früher, als ich viele Jahre lang keine echte emotionale Beziehung zu einem Menschen eingehen konnte. Ich habe von den ganzen Intrigen und Grüppchen in der Schule nie etwas mitgekriegt, war das neutrale, abseits stehende, viel zu junge Küken. Ich kann nicht gut lügen, und auch nicht wirklich erkennen, ob jemand lügt. Ich trage mein Herz auf der Zunge und bin manchmal geradezu naiv. Ich glaube einem Menschen eine Aussage ohne nachzufragen, und ich glaube meinem Traummenschen auch, dass es ihm gut geht, wenn er dies sagt.

Und aber nicht meint. Denn irgendwann entsteht ein Missverständnis, und mein Mensch explodiert förmlich, und ich verstehe nicht, warum, versuche es wieder gut zu machen, doch es nützt alles nichts, da die Ursache auch hier viel tiefer liegt als im Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte.
Ja, wir haben Fehler gemacht, ich bin zu bindend, und mein Mensch zu wenig kommunikativ, was solche Dinge anbelangt. Vielleicht sind hie und da Hinweise aufgetaucht, die ich aber, wie gesagt, nicht zu deuten wusste. Der eine fühlte sich zurückgewiesen, der andere bedrängt, und früher oder später musste es dazu kommen.

Auch die beste Beziehung wird irgendwann auf die Probe gestellt. Aber ich habe in den letzten Tagen sehr viele, sehr lehrreiche Gespräche hinter mich gebracht, und ich wir haben auch diese eine Krise gemeistert. Weil wir schlussendlich erkannt haben, dass Kommunikation – in beiden Richtungen – einfach notwendig ist, dass unsere Beziehung etwas besonderes ist, das nicht wegen Missverständnissen geopfert werden sollte. Weil das zarte Band zwischen uns stärker als alles andere werden kann, wenn wir nur bereit sind, zu kämpfen.

Das Gute an der Achterbahn ist, dass es nach einem langen, beschwerlichen Aufstieg umso schöner und spassiger wird. Sei es, dass mein Mensch mich aus einer Laune heraus anruft, nur um zu sagen, dass er mich liebt. Oder, dass er mich seinerseits als Traummenschen bezeichnet und ich mich beinahe hier ertappt fühle…  ;)


Antworten

  1. In guten und in schlechten Tagen … so gehört es sich. Du schaffst Ihr schafft das.

  2. genau :)
    gelernt habe ich, dass man einfach kommunizieren muss… so viel wie möglich, so klar wie möglich. denn sonst entstehen eben solche missverständnisse, die dann zu üblerem führen können…
    und auch wenn sich mein mensch bemüht, ich merke doch, dass sein erster impuls in so einer situation der rückzug ist. es war schon mal sehr aufreibend, das gefühl zu haben, alleine zu kämpfen. aber ich weiss auch, dass er sich durch eine vergangene erfahrung ein bisschen schwer tut, gefühle zu zeigen. sie sind aber mindestens so stark wie meine, das weiss ich jetzt… auch wenn es nicht immer so offensichtlich ist :)

    liebe grüsse,
    aprikose

  3. Hallo ^^
    Das klingt wirklich schön. Und sieh mal, die erste Hürde mit den Missverständnissen ist schon einmal geschafft.
    Wer weiß, vielleicht ist dein ‘Traummensch’ ja ein Besucher hier. ;)
    Ja, das kann schon explosiv werden, wenn zwei unterschiedliche, tiefe Welten (Vergangenheiten, Personen) aufeinander treffen, aber umso interessanter, wenn sie es schaffen, am selben Faden zu ziehen.

    Liebe Grüße,
    Mako

  4. ein leben ohne hürden ist ja kein leben ;)

    ich hoffe nicht, dass mein mensch hier mitliest. oder doch? ein wenig. vielleicht.

    und wer weiss, irgendwann wird der faden zu einem festen strang ;)

    liebe grüsse,
    aprikose

  5. Achterbahn… ohje, diese Gefühle kenne ich.

    Aber woraus entstehen sie? Ist es die eigene Unsicherheit, fehlt das Vertrauen? Muss eine Liebe immer von Beweisen gekrönt werden?

    Komischerweise messe ich den Grad der Liebe auch immer daran, wie sehr sich jemand um mich bemüht, wie oft er sich meldet und was er mir sagt. Aber jeder Mensch ist anders, was dem einen wichtig ist – ständige Liebesbeweise – sind dem anderen lästig und dennoch kann er genau so verliebt sein. Gefühle sind schon kompliziert.

    Aber ich wünsche Dir, dass Deine Bahn weiterhin nach oben fährt und lange lange nicht mehr runter. Aber das Schöne an einer Achterbahn ist doch auch, dass der steilste Berg mit der rasantesten Abfahrt auch den schnellsten Aufschwung hat ;-)
    In diesem Sinne alles Liebe
    Ronja

    • ich weiss doch, liebe ronja, ich weiss doch. würde ich den „grad der liebe“ ausschliesslich daran messen, hätte ich das ganze vielleicht schon im glauben, nicht geliebt zu werden, beendet. weil ich selbst da einfach viel mehr zeige als mein traummensch.

      die achterbahn ist allerdings noch im gange, wie ich die letzten tage bemerkt habe, rauf und runter…

      liebe grüsse,
      aprikose


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