Verfasst von: aprikose | 181. Januar 2009

Ungefiltert

Ich habe es nicht geschafft, diese verwirrenden Gedanken vollständig zu ordnen. Ich habe einfach angefangen zu schreiben, was mir alles durch den Kopf geht, habe kreuz und quer und durcheinander geschrieben, mehrmals mitten im Satz aufgehört und woanders weitergeschrieben. Es waren sehr viele Dinge, die in mir herumschwirrten, doch es tat gut, das nun alles einfach mal niederzuschreiben, ohne es besonders zu verpacken. Ich war wütend, enttäuscht, verletzt, manchmal vielleicht mit Recht, aber schlussendlich sind dies Empfindungen, die sich wegen mir gebildet haben – und nicht, weil mein Mensch dies beabsichtigt hat. Aber… lest einfach selbst.

Du machst mich unsicher. Warum glaubst du mir nicht, wenn ich dir sage, dass du mein Traummensch bist? Dass ich dich schön finde, dass du mich verzauberst? Du kannst mit Komplimenten nicht umgehen, weder sie annehmen noch welche aussprechen. Besonders letzteres ist sehr frustrierend für mich, weil ich Liebe brauche, von dem einzigen Menschen, den ich auf diese Weise liebe. Stattdessen lässt du mich kalt abblitzen, spielst mit mir, ärgerst mich, stellst mich auf die Probe.

Ich bin nicht deine verdammte Achterbahn. Du kannst mich nicht nur von einer Ecke in die Andere werfen wie ein Spielzeug. Denn so fühle ich mich manchmal, wenn du mich den ganzen Tag nur ärgerst, auf eine eigentlich liebenswerte Art und Weise, wäre es nicht gleichzeitig so boshaft. Ich hasse es, wenn du das tust. Und trotzdem schüttest du munter weiter Salz in die Wunde.
Warum lässt du mich alleine, auf einer Party, an der ich kaum jemanden kenne? Warum schickst du mich weg, um mit deinen Freunden über private Dinge zu reden? Und warum bist du dann eingeschnappt, wenn ich komisch gelaunt bin?

Du hast mir oft genug gesagt, dass du nicht der richtige Mensch für mich wärst, dass ich dich früher oder später sowieso verlassen werde. Andere sagen, dass wir nicht zueinander passen, dass ich etwas besseres verdient hätte. Dass du sowieso nicht wissen würdest, was du mit mir willst.* Du sagst lediglich stimmt.
Es fühlt sich manchmal an, als würdest du wollen, dass ich es beende. Als würde dir rein gar nichts an mir liegen. Ich fühle mich ignoriert, vernachlässigt, unfair behandelt von dir. Ich habe sehr viel Liebe zu geben, wahrscheinlich zu viel, aber ich gebe mir Mühe, dich nicht zu erdrücken. Du wiederum scheinst dir keine Mühe zu geben, mir hierbei entgegenzukommen – oder zumindest sieht es danach aus. Warum?

Manchmal denke ich mir, dass ich diese kalte Schulter von dir nicht mehr aushalte, dass ich einfach nur weg von dir will, weil es mir zu viel ist – zu viel nichts. Ich will keine ständigen Liebesbeweise von dir, will auch nicht dauernd die drei Worte von dir hören, will nicht, dass es zur leeren Floskel, zur Routine verkommt. Aber wenn du mir beim Einschlafen im gemeinsamen Bett den Rücken zeigst, wenn du mich morgens regelrecht anfeindest wenn ich zwei Worte zu viel sage, wenn du meine Arme von dir wegdrückst wenn ich dir nahe sein möchte, wenn du deinen Kopf wegdrehst wenn ich dich küssen möchte, dann verletzt mich das.
Ich will nicht weg von dir. Du bist der wunderbarste Mensch in meinem Leben, und du bist das Beste, was mir je passiert ist. Wenn es wirklich sein muss, lasse ich alles liegen und stehen für dich. Aber nicht, wenn du mich links liegen und stehen lässt.

Fühle mich zurückgewiesen. Du vermittelst mir in solchen Momenten das Gefühl, nicht geliebt zu werden. Dass, wenn ich um die Beziehung, um DICH, kämpfen würde, dass du in derselben Situation mit den Achseln zucken und sagen würdest, dass es dann wohl so wäre. Ich schäme mich für diese Gedanken, weil ich weiss, dass es nicht so ist, dass du lange kämpfst.

Und das Schlimmste daran ist, dass ich mit dir darüber nicht reden kann. Weil du dies nicht einsehen willst, deine Art als völlig normal betrachtest und mich dabei belächelst, weil dies ja meine erste richtige Beziehung ist und du mir meilenweit voraus bist. Und sollte ich dennoch darauf bestehen, darüber zu reden, wärest du beleidigt und würdest meine Worte ignorieren.

Ich weiss nicht, was ich tun soll.

Und dann gibt es wieder diese Momente, in denen alles perfekt ist. In denen du auf mich zukommst anstatt wie meist umgekehrt. Mich von hinten umarmst, nicht mehr gehen lässt, mir das Gefühl vermittelst, gewollt zu werden. Ich brauche einfach diese Art von Bestätigung, sei es nun, weil ich in der Hinsicht sensibel bin oder weil ich Angst habe, dich zu verlieren und noch nicht deine ruhige Art, Beziehungen anzugehen, habe. Genausowenig, wie du mit erdrückender Liebe leben kannst, so kann ich nicht mit solch sparsamer Liebe leben.

All diese Gedanken sind einfach nur dumm. Weil ich doch weiss, dass du mich liebst. Dass du deine Zukunft mit mir zusammen siehst, dass ich keine Angst zu haben brauche. Dass diese Gedanken lächerlich sind und dich höchstens dazu bewegen würden, eingeschnappt zu sein – weil es aussieht, als würde ich an dir zweifeln. Ich will das nicht. Aber dennoch gibt es solche Phasen. Und dabei weiss ich, dass du mich nun genau so sehr vermisst wie ich dich. Dass du deine Gefühle nicht so gut zeigen kannst wie ich, dass deine Umgangsform einfach sehr locker ist, daran habe ich mich wohl noch immer nicht ganz gewöhnt.

Draussen bildet sich gerade ein Regenbogen. Nein, ich will dich nicht verlieren. Nicht wegen so etwas, wegen dummen Gedanken, die aus irgendwelchen grundlosen Ängsten entstehen. Ich brauche dich. Du bist der Grund, weshalb ich mich ändern will, für dich will ich ein besserer Mensch werden. Ich wüsste nicht, was ich ohne dich täte. Ich muss einfach versuchen, weniger zu klammern und nicht immer Bestätigung zu brauchen. Gib mir etwas Zeit. Weil ich mein Leben mit dir teilen möchte.

* Fussnote

Dieser Song passt einfach so genau. Du bist mein Ziel. Du bist mein Antrieb. Du bist das Grösste für mich. Ich will nur manchmal sicher gehen, ob du denn dasselbe für mich fühlst…


Antworten

  1. Liebe Aprikose,
    ich bedauere, dass trübe Gedanken Dir Dein Liebesgefühl verdunkeln…und würde Dir jetzt gern einen kleinen Tipp aus meiner Westentasche hervorzaubern. Nur in diesem ganz besonderen „Fall“ würde kein Tipp nützlich oder hilfreich sein.
    Nur Du allein kannst entscheiden, ob Du den Traummenschen so nehmen willst, wie er eben ist. Du kannst ebenso entscheiden, ob Du den Augenblick oder die Sekunde im „hier und jetzt“ genießen willst, oder lieber über Veränderung grübelst. Deine Entscheidungen werden in jedem Fall richtig sein, wenn es Dir gelingt auf Dein Herz und Deinen Bauch zu hören.
    Vielleicht doch eine kleine Erinnerung:
    Energie folgt immer der Aufmerksamkeit.

    Ich wünsche Dir glückliche Augenblicke, wie auch immer Du Deine Entscheidungen triffst.
    Alles Liebe,
    Gaba

    • liebe gaba, was du sagst, das stimmt. und am ende des beitrages sage ich ja, dass ich mich darauf einstellen will, dass mein traummensch einfach anders denkt als ich. dass er eine andere einstellung zu nähe hat als ich.
      das einzige, was ich will ist, dass mein mensch sich im gegenzug auch an mich anpasst. und das hat er schon, ganz wenig zwar, aber das wird schon werden, denke ich.
      danke für deine unterstützenden worte.

      liebe grüsse,
      aprikose

  2. Hui, habe schon lange nichts mehr geschrieben und kommentiert, habe auch die letzten Beiträge von dir nicht wirklich verfolgt.

    Aber dieser Beitrag hier gibt mir doch zu denken. Sei mir nicht böse, aber all das was du oben in den ersten Absätzen beschreibst, ist eigentlich die typische Art und Weise, wie ein Mann gerne eine Beziehung beenden möchte, möglichst ohne viel Tamm Tamm, möglichst ohne Streit, im Prinzip den Schalter umlegen und Desinteresse zeigen und zu hoffen, dass sie endlich merkt, das Mann nicht mehr will und sie das ganze beendet.

    Naja, leider klappt das aber eher nur selten, Frauen reimen sich sogar in solch einer Situation noch die positivsten Dinge zusammen, ich frage mich als echt, wie ihr das macht.

    Ich weiss, mein Kommentar baut dich nun nicht wirklich auf und eigentlich hoffe ich natürlich, dass ich falsch liege. Aber deine Beschreibung passt eben voll und ganz auf einen typischen Mann der keine Beziehung mehr möchte =(

    • lieber sadboy, schön dich mal wieder zu lesen :)
      ich weiss was du meinst, und wenn ich nochmal drüber lese, könnte es schon sein, dass ich mich hier an eine illusion klammere. so ist es aber nicht. all diese dinge haben sich einfach aufgestaut, und jetzt ist es hier rausgebrochen.
      mein traummensch ist einfach kein extremer kuschelmensch wie ich. umklammert einschlafen kann er nicht, und wenn ich dauernd seine nähe suche, stört ihn das. und, mein mensch ist auch ein morgenmuffel.

      dennoch. meine traumperson zeigt mir auch immer wieder – nicht so oft, aber eigentlich genug – dass ihr sehr viel an mir liegt, dass sie mich liebt. sie kann es nicht so gut zeigen, aber wenn jemand so gut schauspielern kann, braucht mir niemand einen vorwurf zu machen wenn ich darauf hereinfalle. das glaube ich nicht. ich habe mich nicht ein halbes leben lang alleine durchgeschlagen, nur um dann auf die erstbeste person hereinzufallen.

      nein, mein traummensch ist einfach anders als ich, und daran muss ich mich noch gewöhnen, wie gesagt. er hat eine recht bewegte vergangenheit, neben der meine ein kindergarten ist. und die letzten beiden beziehungen waren ziemlich erschütternd für ihn, weshalb er nun sehr vorsichtig und zurückhaltend ist und nicht so viel energie in die beziehung stecken kann wie ich, aus angst, endgültig enttäuscht zu werden.

      keine angst. ich – wir – schaffen das irgendwie, da bin ich mir sicher. wir lieben uns, zeigen es einfach anders. damit umzugehen ist auch teil einer beziehung, auch weil wir eben so verschieden sind.

      liebe grüsse,
      aprikose

  3. Wenn ich das alles so lese, habe ich immer das Gefühl du bist mit mir zusammen :D

    Na ich drück dir auf jeden Fall die Daumen :)

  4. Er will Dich nicht einfach loswerden.

    Irgendwie ist er wie ich – ein Mann. Er macht das nicht absichtlich, er kriegt’s gar nicht immer so mit, was Du Dir dann aber manchmal sehr zu Herzen nimmst … das legt sich aber wieder, wie Du bemerkt hast.

    Das ist das Auf und Ab des täglichen Lebens … ich denke da muss man dann durch.

    • das stimmt. ich lege auf gewisse dinge wert, bei denen meine person nur schulterzucken kann, es aber gar nicht böse meint. aber das ist manchmal einfach so frustrierend…
      ach ja. man gewöhnt sich irgendwann an alles ;)

      liebe grüsse,
      aprikose

  5. Eigentlich möchte ich sadboy zustimmen – auch wenn es dir nicht gefällt. Andersherum sagst du, dein Freund tickt anders. Er kann Gefühle nicht so zeigen. Das mag sein, aber auf Dauer ist das eine schlechte Ausrede. Du scheinst mir recht emotional veranlagt zu sein und diese „Kühle“ wird dir irgendwann das Genick brechen…

    Denk dran, es nützt nichts, wenn du dich änderst oder womöglich einschränkst. Es MÜSSEN beide tun. Alles andere ist über kurz oder lang zum Scheitern verurteilt.

    Zu denken gibt mir dieses „er hat schlechte Erfahrungen gemacht, bewegtes Leben“. Nun, dass sind keine Entschuldigungen für liebloses Verhalten. Wenn er schon sagt, du wirst ihn ehr verlassen, wird er sich kaum Mühe geben, diesen möglichen Zustand zu ändern…

    Tut mir leid, wenn ich dir nicht mit rosaroten Worten komme.

    • ich muss dir wohl irgendwo ein wenig recht geben. es ist auch nicht so, dass ich bereit bin, mein ganzes (gefühls-)leben umzukrempeln, ohne dass man mir ebenfalls entgegen kommt.
      ich bin aber zuversichtlich und denke, sobald mein mensch gelernt hat, dass er bei mir „in sicheren händen“ ist und mir vertrauen kann, wird er auch offener sein. das hat er mir gesagt, und ich habe es selbst erlebt – zu anfang war es viel schlimmer als jetzt, und mittlerweile sind es nur noch diese kleinen dinge, die sich zwar auch aufstauen, aber durch andere „taten“ meines menschen wieder aufgewiegt werden.
      wir werden sehen, was die zukunft bringt…

      liebe grüsse,
      aprikose

      • Das wäre auch der größte Fehler, den du tun könntest, wenn du dein gesamtes (Gefühls-)Leben umkrempeln würdest.
        Kein Mensch hat diesen Wert, dass ein Anderer sich um 360 Grad dreht.

        Wenn es schon weniger geworden ist – dann besteht ja noch Hoffnung – und die stirbt ja erst am Schluss ;)

  6. nein, solch einen fehler werde ich nicht begehen. aber ich werde jetzt bestimmt nicht kampflos aufgeben. wie du schon sagst – die hoffnung stirbt zuletzt :)

    liebe grüsse,
    aprikose


Einen Kommentar hinterlassen

Ihre Antwort:

Kategorien