Verfasst von: aprikose | 183. Januar 2009

Warte mal…

Was soll das denn? Ich les mir grad die letzten paar Beiträge durch und lese nur Gejammer, Selbstmitleid und vor allem Selbstaufopferung. Bin ich wirklich so abgehoben in letzter Zeit? Ich wundere mich gerade über mich selbst und bin fast ein wenig schockiert, wie weinerlich sich das ganze anhört. Und bin überrascht, dass sich die Kommentatoren so zurückgehalten haben.
Und drauf gebracht hat mich ein Gespräch mit meinem besten Freund hier, der mich eines Abends auf den Boden der Tatsachen zurück gebracht hat. Wieder einmal hat er mir einen Klaps auf den Hinterkopf verpasst – er macht das immer perfekt. Doch ihm widme ich ein ander mal einen Beitrag, jetzt rechne ich erst einmal mit mir selbst ab.

Sag mal – findest du nicht, dass du dein Herz ein wenig sehr auf der Zunge trägst? Ich meine, du kennst diese Person noch nicht einmal ein Jahr, zusammen seid ihr ein halbes. Und du redest von ihr, als würdest du sie dein Leben lang nie mehr loslassen.

Ja… aber dieser Mensch verzaubert mich einfach. Ist es denn verboten zu träumen?

Nein, natürlich nicht. Aber steigere dich doch nicht so hinein. Du planst doch insgeheim schon wieder viel zu weit. Ich halte dich aber für clever genug, dass du dir das nicht zu Kopf steigen lässt.

Ich weiss doch. Ja, ich möchte am liebsten den Rest meines Lebens mit diesem Menschen verbringen. Aber, verdammt, Aprikose, du kannst nicht wissen was die Zukunft bringt. Geniess gefälligst den Augenblick, ohne dir dauernd Gedanken über die Zukunft zu machen! Das werde ich mir merken müssen. Locker bleiben und die Dinge auf mich zukommen lassen. Aber das ist manchmal einfach schwierig, wenn die Liebe meines Lebens (so scheint es gerade) im gleichen Raum sitzt. Mein Mensch hat hier keine Probleme, nüchtern zu bleiben – ich bin seine dritte grosse Liebe…

Es interessiert nicht, wie du deine Beziehung führst. Es gibt sehr erfolgreiche Berufsmenschen, die sich zuhause rumkommandieren lassen. Also auch SM und so. Aber sagt das etwas über die Menschen aus? Eher nicht. Wichtig wäre mir, wie dein Partner dich behandelt. Und dass ihr beide nicht einfach der Beziehung wegen zusammen seid. Viele Menschen, die ich kenne, sind nur deswegen zusammen, damit sie einen Partner haben, weil sie ohne Beziehung nichts mehr darstellen.

Hier hat er mich richtig zum Nachdenken gebracht. Denn ich habe auch schon gesagt, geschrieben, dass ich nicht wüsste, was ich ohne meinen Traummenschen tun würde, dass er der Grund ist, dass ich plötzlich wieder motiviert bin. Aber das ist wohl etwas anderes, eher ein Ausdruck schmalziger Verliebtheit, und auch wenn es stimmen mag, dass mein Mensch mich momentan beflügelt, dann ist das schön und hat nichts mit dem anderen zu tun. Und auch wenn er nicht in mein Leben gepoltert wäre, hätte ich mich wohl irgendwie durchgebissen. Nein, ohne diese Person wäre ich nicht nichts, auf keinen Fall. Und wenn diese Beziehung zu Bruch geht, sollte das wirklich passieren, bin ich der Phönix aus der Asche. Stehaufaprikose, wie eh und je.

Dann habe ich meinem Freund erzählt, was ich hier aufgeschrieben habe, dass mich dieses Verhalten irritiert, mich aber nicht traue, mit meinem Menschen darüber zu reden. Nun war mein Freund dran mit irritiert sein.

Aprikose, so lange ich dich kenne habe ich dich nie kuschen sehen. Weder vor mir noch vor sonst jemand anderem. Warum bei diesem Menschen? Da werde ich ja beinahe eifersüchtig (grinst). Stirbt irgendwo auf der Welt eine Babyrobbe, wenn dein Traummensch mal beleidigt einschlafen muss? Komm schon, sag mal wieder nein, besteh du mal auf deine Ansprüche.

Ach, so einfach ist das nicht. Ich weiss, normalerweise bin ich ein kämpferischer Typ, aber in der Beziehung habe ich einfach ein wenig Angst. Dass ich es kaputt mache, wenn ich zu sehr drauf haue. Aber ja. In Zukunft werde ich mir besonders das wieder merken. Weil mein Mensch sonst nach Belieben Achterbahn mit mir fährt und ich daran zugrunde gehe, wenn ich ihm alles recht mache – und auch für die Beziehung wäre es eher Gift.

Bei all diesen Dingen, die du mir erzählst, hätte ich den meisten anderen Menschen gesagt: Forget it. Bei euch ist das was anderes… Zum einen, weil ich dich gut genug kenne um zu wissen, dass du dich nicht für dumm verkaufen lässt. Zum anderen, dass es gute Gründe und viel Schönes geben wird, was für die Beziehung spricht, was für deinen Menschen spricht, denn schliesslich hast du ihn dir ausgesucht und hältst daran fest. Ich weiss, dass ich deinem Urteil vertrauen kann, kenne dich lang genug. Ich sage dir ja nur, dass du vorsichtig sein und das ganze langsam angehen sollst. Du willst, dass es funktioniert? Dann bleib du selbst und vor allem auf dem Teppich.

Das werde ich – danke. Es wird Zeit, sich wieder mal ein bisschen am Riemen zu reissen, nicht gleich jedes Wort auf die Goldwaage zu legen und verdammt noch mal zu leben. Dieses ewige rosarot trieft langsam vor Schmalz. Hey, ich bin auch jemand! Natürlich liebe ich meinen Traummenschen, mehr als alles andere. Aber ich glaube, ich habe grade meine Umklammerung etwas gelöst. Und es fühlt sich gut an  :)


Antworten

  1. Liebe aprikose,

    ich finde es sehr bemerkenswert, dass und wie Du diesen Dialog mit Deinem „besten Freund“ hier rüberbringst. Deine Zerrissenheit darstellst.

    Wann immer wir geben, abgeben, etwas von uns aufgeben, für andere, haben wir die Chance, dadurch zu wachsen. Stärker zu werden.

    Oder den entstandenen Verlust zu beklagen.

    Wann immer wir zu zweit eins werden, besteht das Risiko, das man zu viel von sich selbst aufgibt, um im Fall der Fälle ins Bodenlose zu fallen.

    Liebe Grüße,
    Ulf

    • ein fall, der mir nicht gefallen wird, falls es dem zufall einfallen sollte, mich fallen zu lassen ;)

      selbstreflektion tut echt gut. und für das, was du angesprochen hast, lieber ulf: ich glaube, ich werde stärker. denn auch wenn es am ende ein verlust werden sollte, so war es doch manchmal die schönste zeit meines lebens. und das ist es auf jeden fall wert…

      liebe grüsse,
      aprikose

  2. Hallo Aprikose,

    ich bin heute seit längerer Zeit mal wieder als Gast auf Deinem Blog gelandet.
    Dein Beitrag (und auch der vorher gehende, Ungefiltert) sind mir sehr nahe gegangen. Ich befand mich vor rund anderthalb Jahren in einer ähnlichen Situation. Als Mensch, der in einer Beziehung viel Nähe braucht, nicht unbedingt immer räumlich, aber emotional, und viel Kommunikation dazu, habe ich mich absolut unverstanden gefühlt. Ich hatte den Eindruck, dass ich unglaublich viel investiert habe, an Zeit, Engagement und Geduld. Was ich gerne getan habe, aber es wurde zunehmend weniger, als ich nach einer Weile spürte, dass ich so gut wie nichts zurück bekam. Ich war damals todunglücklich – und bin gegangen. Danach ging es mir besser. Aber das ist nur eine Möglichkeit, mit einer solchen Situation fertig zu werden, es gibt sicher auch andere Lösungen. Wichtig finde ich, dass man sich seine Situation klar macht, in sich hineinhorcht, dann findet sich auch eine Lösung. Ich denke, Du bist auf diesem Weg.

    Herzliche Grüße,
    Michael

    • lieber michael, willkommen zurück!
      ich hoffe, dass ich eine weniger schmerzhafte lösung finden kann. aber ich glaube, ich bin auf gutem weg dazu. denn obwohl ich momentan wohl noch recht emotional bin, finde ich die lockere art meines traummenschen sehr sympathisch – nicht um sie zu ertragen grade, aber um sie zu leben. wer weiss, vielleicht sehe ich das ganze eines tages auch so, und ich kann mich beruhigt zurücklehnen.
      bis dahin ist aber noch ein weiter weg. veränderung ist evolution, und ich bin noch so jung, dass ich das noch kann, ohne viel zu verlieren.

      keine angst, solange ich noch so wie in diesem beitrag „in mich reinhören“ kann – und sei es mit der hilfe von freunden – ist nichts verloren.

      liebe grüsse,
      aprikose

  3. Was vergessen:

    Ich amüsiere mich immer wieder über Deine Zeitrechnung. Bist Du eigentlich eine Anhängerin von Robert Gernhardt? Der verwendet die nämlich auch ;-)

    • ich muss gestehen, ich höre hier und heute zum ersten mal von robert gernhardt :)
      verwendet er sie in seinen büchern?

      • Auch wenn ich Herrn Gerhnahrdt gern uneingeschränkt empfehle (am besten alle seine Bücher ;-), kann ich mich nur an eines seiner Gedichte erinnern, wo er „Deine“ Zeitrechnung“ benutzte, irgendwas mit „weissen Riesenhasen“ :-)

        LG Michael

        • so, nachdem ich die option entdeckt habe, dass man auch mehr als bis zur dritten ebene auf kommentare antworten kann – ich hab das gedicht gefunden :)

          „Wenn die weißen Riesenhasen
          abends übern Rasen rasen
          und die goldnen Flügelkröten
          still in ihren Beeten beten,
          wenn die schwarzen Buddelraben
          tief in ihrem Graben graben
          und die feisten Felsenquallen
          kichernd in die Fallen fallen -:
          dann schreibt man heut’ wie jedes Jahr,
          den hundertzwölften Januar.

          Was? Ihr kennt ihn nicht, den Tag?
          Schaut mal im Kalender nach!“

          sehr süss! danke für die eingebung ;)

          liebe grüsse,
          aprikose

          ps: der 112. januar wird übrigens auch 22. april genannt.


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