Verfasst von: aprikose | 253. Januar 2009

Vertrauen

Bin ich beziehungsunfähig? Mein Mensch ist immer mehr dieser Meinung. Und ich tendiere selbst dazu. Wie oft habe ich schon geschrieben, dass ich mich ändern würde? Dass ich mich bessern würde? Und nach neun Monaten bin ich immer noch das gleiche Früchtchen. Ich denke einfach nicht nach. Ich komme, sehe – und verliere. Weil ich mir niemals Gedanken mache, was dies alles bedeuten wird, weil ich mit einer Naivität durchs Leben laufe, die meinen Menschen wahnsinnig macht.

Mittlerweile ist es sogar so weit, dass ich nicht mehr gern neben dir schlafe! Denn sobald ich neben dir liege, fühle ich mich sowas von beengt. [...] Du lernst nicht. Es ist kein Prozess da. Meine früheren Menschen waren schlimm. Aber du bist im Moment der Topreiter! Weil du alles zur Kenntnis nimmst, und es dann ignorierst. Du hörst meine Worte und kannst sie perfekt rezitieren, aber die Bedeutung läuft winkend an dir vorbei. [...] Du bist einfach nicht ehrlich zu dir selbst. Suchst dir Gründe für deine Fehler aus, anstatt endlich mal einzusehen und dich zu ändern! [...] Aus meiner Sicht sind wir auch nicht mehr zusammen momentan. Auszeit. Ich kann und werde dir rein gar nichts versprechen, wenn du umziehst.

Tja, nun ist wohl die letzte Chance gekommen. Ich werde umziehen, keine Frage, allein schon wegen mir selbst. Aber die Beziehung… ist ganz schön im Eimer, salopp ausgedrückt. Und es ist fraglich, ob es noch etwas zu retten gibt. Wie baut man Vertrauen auf? Mein Mensch warf mir vor, dass ich an der Feier sein Vertrauen missbraucht habe – und bis jetzt keinen Versuch unternommen habe, es wieder zu festigen. Aber wie? Ich kann doch nicht mehr tun, als für meinen Menschen da zu sein, ihm Halt zu geben? Mein Mensch vertraut mir nicht mehr. Ich… weiss einfach nicht mehr weiter.

Um ehrlich zu sein bin ich ziemlich am Ende. Mein Optimismus löst sich schneller auf als eine Brausetablette, ich komme auf die Welt, wie man so schön sagt. Die grausame Realität hat mich eingeholt. There is no such thing as a free lunch. Märchenstunde gibts woanders, um die Beziehung zu retten, muss ich realistisch sein. Auf eine Art tut es gut, auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt zu werden und all diese Dinge an den Kopf geworfen zu bekommen, endlich zu hören, was man seit Monaten falsch macht, aber es tut so unheimlich weh. Ich will mich wirklich ändern. Worte sind Schall und Rauch… und für Taten ist es beinahe zu spät. Vielleicht auch schon zu spät.

Warum versteht Gott und die Welt, wie eine Beziehung funktioniert, wie man füreinander da ist, nur ich nicht? Ist es mein Märchenschloss, das ich mir zusammengezimmert habe mit dem Mantra, dass alles gut wird? Bin ich so unerfahren? Oder suche ich jetzt einfach wieder einen Grund, warum ich so bin, wie ich bin, ohne daran zu denken, dass ich genau das verurteilt habe? Werde ich die Disziplin haben, zuerst nachzudenken und mich in das Gegenüber zu versetzen, bevor ich etwas sage, bevor ich handle? Kann man sich so schnell ändern, wie ich es hier tun muss? Ich weiss es nicht. Ich weiss momentan gar nichts.

Wer gibt mir Antworten? Mir sind sie ausgegangen…  :’(


Antworten

  1. Auch wenn es hart klingt: er ist nichts für Dich – denke, loslassen wäre das Richtige.

    Du sollst Vertrauen festigen und er sagt, er fühlt sich eingeengt – hoppla, das passt wohl nicht zusammen …

  2. Sei mir nicht böse, aber ich muss mich rufus anschliessen, ich finde dieser Mensch ist nichts für dich. Ich will nicht, dass du dich von ihm so verbiegen lässt, dass du dich ihm zu liebe ändern musst, du bist wie du bist!

    Und überhaupt, was sollst du denn an dir ändern? Du bist nicht drogenabhängig, du gehst nicht fremd, du ermordest keine Menschen, du klaust nicht, jedenfalls gehe ich davon aus, aber das wären so Punkte wo man mal sagen könnte, hey du musst mal was ändern. Alles andere und seien es vielleicht für andere Menschen noch so negative Dinge, sollte man nicht versuchen krampfhaft zu ändern, dass sind nämlich die Dinge die einen ausmachen und auf der Welt gibt es auch Menschen, die genau das an einem lieben.

    Bleib so wie du bist, lese gerne deine Beiträge und Kommentare und hatte noch nie das Gefühl, ey die müsst sich jetzt aber echt mal ändern, das geht ja gar nicht.

  3. Nein. Ich will nicht aufgeben. Ich sehe ein, dass ich Fehler habe, und ich will nicht länger davonlaufen und die Gründe bei anderen suchen, mich damit entschuldigen, dass ich halt so bin – weil ich genau diese Art nicht haben kann.

    Ich ignoriere die Kommentare hier nicht, aber… sie repräsentieren die Antwort auf meine Sicht der Dinge. Sich in meinen Menschen zu versetzen ist schwer, wenn man nur meinen eingefärbten Blickwinkel als Ausgangslage hat. Und wenn ich ehrlich bin, kann ich meinen Menschen verstehen. Ich verstehe mich selbst aber nicht… kann Dinge, die ich getan habe, nicht mehr nachvollziehen, weil es selbstverständlich gewesen wäre, das andere zu tun.
    Wenn mein Mensch sich eingeengt fühlt und mir deutlich macht, dass er Zeit braucht, dass es schwer für ihn ist, sich auf mich einzustellen, und sich aber auch über die Zeit ändert – warum bin ich dann nach wie vor so extrem anhänglich, warum lasse ich ihm keine Minute freie Zeit, warum schiebe ich Panik, weil er einen Abend mal schweigsam ist? Warum klammere ich mich immer und immer wieder?

    Ich lasse mich nicht komplett verbiegen, keine Sorge. Aber ich glaube, nach diesem Gespräch verstehe ich – endlich -, was mein Mensch meint, und ich werde versuchen, mich zu ändern. Ich sehe nämlich ein, dass ich mit dieser Einstellung keine Beziehung führen kann. Ich würde jeden Menschen früher oder später mit meiner Liebe erdrücken und in den Wahnsinn treiben.

    Losgelassen habe ich jetzt. Auch für mich ist die Beziehung keine richtige mehr, wie auch. Aber wenn ich umgezogen bin, würde ich gerne noch einmal bei Null beginnen, wenn mein Mensch dazu bereit ist. Und wenn nicht, kann mir niemand mehr etwas vorwerfen, nicht einmal ich selbst.

    liebe grüsse,
    aprikose

  4. Liebe Aprikose,

    wie immer stellt mein „Geschreibsel“ nur meine Meinung dar…und selbstverständlich darfst Du davon mitnehmen, was Du brauchen kannst – und alles andere in Ablage P wie Papierkorb entsorgen.

    Ich habe selbst vor einigen Jahren erlebt und auch bei vielen anderen Menschen gesehen, dass die Liebe uns manchmal dazu bringt uns selbst zu vergessen.

    Ich denke, dass Deine Beziehung nur dann eine gute Chance hat, wenn es Dir gelingt wieder die frische (saftige) Aprikose zu werden, die Du zum Beginn Eurer Liebe warst.
    Energie folgt der Aufmerksamkeit.
    Statt die kleine und zarte Aprikose zu pflegen und zu hegen, hast Du versucht den Pfirsichbaum Deines Traummenschen zu düngen und zu begießen.
    Vor lauter Anpassung und Gedanken über die Wünsche und Vorstellungen des Traummenschen ist Aprikose vermutlich ein wenig eingetrocknet und vielleicht ein bißchen hart und sauer geworden.
    …und wahrscheinlich schmeckt dem Traummenschen eine süße und saftige Aprikose wesentlich besser.

    Mein Tipp:
    Konzentriere Dich (ebenso wie Dein Traummensch das tut) auf Dich und auf alles was Dir gut tut und Dir Freude und Zufriedenheit schenkt.
    Deshalb, bleib bei Dir, bei Deinen Wünschen und Vorstellungen und versuche täglich das Beste aus Deinem Tag und Deinem Leben zu gestalten.
    Du bist der wichtigste Mensch in Deinem Leben.
    Das Glück wohnt in Dir und wenn es Dir gelingt es auszugraben und zu beleben, wird Dein Traummensch vermutlich gerne ein Stück davon haben wollen und im Gegenzug sein Glück mit Dir teilen.

    Ich wünsche Dir viel Freude, Energie und gutes Gelingen für Deinen bevorstehenden Umzug…und viel Liebe und Verständnis auf all Deinen Wegen.
    Besser und besser,
    Gaba

    • liebe gaba,

      Statt die kleine und zarte Aprikose zu pflegen und zu hegen, hast Du versucht den Pfirsichbaum Deines Traummenschen zu düngen und zu begießen. [...] Du bist der wichtigste Mensch in Deinem Leben.

      ich glaube, das habe ich vernachlässigt. fixiert auf die beziehung und meinen menschen habe ich zum beispiel auch meine hobbys links liegen gelassen, jeden gedanken daran verwendet und ja, auch ein wenig mich selbst vergessen. es war nicht der einzige punkt, warum das jetzt so gekommen ist, aber es hat stark mitgeholfen.

      ich hatte nun ohnehin vor, umzuziehen und es dieses mal locker anzugehen, bei null anzufangen. mal mit meinem traummenschen essen zu gehen, ungezwungen, locker, ohne verpflichtungen. tun, was spass macht, anstatt leben um der beziehung willen. dieser neuanfang ist auch nötig, damit ich mich selbst ändern kann. time for changes.

      liebe grüsse,
      aprikose


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