Verfasst von: aprikose | 193. Januar 2010

Frustration

… denn anders kann ich das nicht mehr ausdrücken. Nein, keine Sorge, es ist eigentlich alles in Ordnung. Eigentlich. Auf Arbeit läufts super, auch wenn die Hitze im Büro und die niedrige Auslastung einen sehr müde werden lassen. Aber bald ist Urlaub mit meinem Traummenschen zusammen angesagt, und ich freue mich unheimlich. Aber – und jetzt kommt das “aber” – da kommt der Punkt der Frustration. Genug Friede-Freude-Eierkuchen, genug Romantik, denn mein Frust rührt von simpler, fehlender körperlicher Zuneigung. Oder einfacher ausgedrückt: Ich will doch nur Sex.

Vielleicht sollte ich dazu weiter ausholen. Ich hatte mein erstes Mal mit meinem jetzigen Traummenschen, bin also relativ neu auf dem Gebiet. Aber dafür bin ich geradezu nymphomanisch veranlagt – und das ist keinesfalls übertrieben. Es gibt Tage, die könnte ich im Bett verbringen, und das nicht, weil ich schlecht gelaunt bin. Dem gegenüber steht mein Traummensch, der schon einige Beziehungen hinter sich hat und mir sexuell meilenweit voraus ist, wenn man das überhaupt so sagen kann. Anfangs dachte ich, dass ich hier an die richtige Person geraten bin, denn als diese mir erzählte, dass sie schon mit wildfremden Menschen ins Bett gegangen ist, auch verbotene Dinge getan hat und in ihrer letzten Beziehung über ein halbes Dutzend Mal Sex pro Tag hatte, war ich zwar ein wenig geschockt, dachte mir aber, dass das mir nur zugute käme.

Denkste. In den nunmehr fast eineinhalb Jahren, in denen wir zusammen sind, haben wir vielleicht zwei, drei Dutzend Mal miteinander geschlafen. Am Anfang war es klar, wir haben uns sehr wenig gesehen und trafen uns auch oft in unglücklichen Zeiten. Aber als es selbst nachdem ich zu meinem Traummenschen gezogen bin nicht öfter wurde, habe ich natürlich eine Aussprache verlangt. Und die banale Antwort war, dass mein Traummensch eigentlich nicht mehr so oft Sex brauche, da er sich ausgelebt habe. Da war ich erst mal vor den Kopf gestossen…

Versteht mich nicht falsch. Der Sex, wenn er denn mal stattfindet, ist traumhaft. Liebevoll, lang, erfüllend – für beide (was nicht unbedingt so selbstverständlich ist). Und ich liebe meinen Traummenschen, über alles. Aber ich spüre die schleichende Frustration, die sich in mir breit macht. Ich habe das Gefühl, etwas zu verpassen, (sexuell) nicht gebraucht zu werden, auf dem Abstellgleis zu stehen. Und etwas betrogen fühle ich mich auch. Warum darf ich nicht haben, was alle vor mir hatten? Dann Selbstzweifel. Wecke ich denn keine Lust bei meinem Traummenschen? Was mache ich falsch? Warum haben wir nur alle zwei Wochen vielleicht mal Sex? Warum?

Ich tue meinem Traummenschen auch ein wenig Unrecht. Er ist oft sehr fertig von seiner Arbeit, hat es nicht leicht mit seiner Familie, und ich kann ihm nicht verdenken, wenn er mal keine Lust hat. Und es ist ja eigentlich angenehm, dass er manchmal auch Kuscheln einfach schöner findet. Aber ich bin so jung. Ich will ausprobieren, ich will etwas tun, ich will mich auch ausleben. Und immer wieder frage ich mich, ob ich der Auslöser bin, dass mein Mensch sich nicht mehr so vergnügt wie früher.

Ich bin die letzte Aprikose, die eine Beziehung aufs Körperliche reduziert. Aber ich berste vor Lust. Und als ich mich habe erwischen lassen, dass ich mich bei meinem im Halbschlaf liegenden Traummenschen selbst befriedigt habe, weil ich es einfach nicht mehr ausgehalten habe vor Verlangen, war man sauer, worauf ich dies ebenfalls wurde. Und vor der leisen Stimme, die irgendwo sagt, dass ich mir den Sex halt woanders holen soll, habe ich mehr Angst als vor allem anderen. Ich weiss einfach nicht mehr weiter. Und es nagt sehr an mir.


Antworten

  1. … und jetzt, wo mein Traummensch endlich mal Zeit für mich hat, kommen uns natürlich wieder die gewissen Tage in die Quere.

    Aber alleine dies alles auszuschreiben, tut sehr gut… und jetzt freue ich mich erst mal sehr darüber, dass mein Traummensch heute vorbei kommt, dass er nur in meiner Nähe ist :)

  2. huch… was ist denn da los?
    ähm… wie kann man da helfen?

    • gute frage. es ist schliesslich nicht so, dass ich – bei aller bescheidenheit – unattraktiv wäre, manche würden gar das pure gegenteil behaupten. ich kann auch nicht verstehen, dass man… einfach keine lust verspürt. wie kann man denn in dem alter bereits so “verbraucht” sein?
      und diese zweifel führen dann halt wieder zu dem gedanken, dass da irgendwas nicht stimmt, dass etwas mit mir nicht stimmen könnte, auch wenn mein mensch das vehement verneint.

      wie man helfen kann? ich weiss es nicht. ich bin ratlos…

      liebe grüsse,
      aprikose

      • Nun auch wenn ich Dir da ungern recht gebe (weil du ja positiv denken sollst), aber diese Zweifel hätte ich irgendwann auch. Wenn man jung ist, sollte der “Funke” immer da sein und bei diesem Wetter “brennt” es von ganz alleine…

        • das denke ich ja eben auch. aber jetzt hat es ja zum glück endlich geklappt :)

  3. So ganz kann ich da auch nicht helfen, fürchte ich – sFrauli …

    • nein, ich glaube damit wäre mir auch nicht geholfen… so auf längere zeit ;)
      mal ganz davon abgesehen dass mein traummensch wie dein frauli zum alptraummensch mutieren würde :)

      liebe grüsse,
      aprikose

  4. Ich musste ja schon etwas schmunzeln, der Beitrag könnte von meiner Freundin sein :D

    Wirklich helfen kann ich dir da aber leider nicht, gibt wohl einfach Männer denen einmal Sex in der Woche reicht ;)

    • aber mir nicht! … bin ich wirklich egoistisch, wenn ich so etwas verlange?

  5. Liebe Aprikose,
    leider kann ich Dir hier in einem Kommentar meinen Blickwinkel nur sehr spärlich erläutern:
    Nach meiner Auffassung hat die Häufigkeit und Intensivität von Lust sehr viel mit Nähe und Distanz der Beziehungspartner zu tun. Zu diesem Thema gibt es sehr viele interessante Psycho-Bücher…und auch Menschen (Therapeuten) die sich von Berufs Wegen mit dieser Thematik ganz gut auskennen…
    Vielleicht könnte es sich für Dich lohnen mal einen Blick auf dieses Thema zu werfen?
    Ich wünsche Dir viele schöne Gefühle, ganz so wie Du sie Dir wünschst.
    Sonnige Grüße aus dem sonnigen Isartal,
    besser und besser,
    Gaba

    • liebe gaba,
      danke für deine ernüchternde antwort und deine ratschläge (immer!) :)
      bevor ich aber anderweitige hilfe suche, hätte ich noch mal mit meinem traummenschen geredet und ihm klar gemacht, wie sich das für mich anfühlt. denn für mich war es nicht mit diesem simplen satz von wegen “ausgetobt” erledigt.
      zum glück aber brauchte ich weder das eine noch das andere tun :)

      liebe grüsse,
      aprikose

  6. Kommt mir bekannt vor … Nur andersrum …

    Mit deinen zwei-/drei-dutzend mal treibt ihr es ja wie die Karnikel, verglichen damit, wie oft ich Sex mit meiner Freundin bisher hatte … Sie möchte schlicht keinen Sex … Ich denke, der Begriff asexuell wäre ziemlich zutreffend …

    • lieber thomas, du kannst ja nicht von dir auf andere schliessen. ich habs ja umgekehrt gemacht, von anderen auf mich geschlossen. von der “normalität”, welche schlicht und ergreifend deswegen als normal gilt, weil es die mehrheit ist. und von dieser warte aus gesehen bin ich ja auch nicht normal, da ich gerne mehr sex als “üblich” hätte.
      wie gehst du damit um, dass ihr fast keinen sex habt? für mich wäre das unvorstellbar.

      liebe grüsse,
      aprikose

  7. Hmm, wenn ein junger Mensch schon von ausgetobt spricht und für den Partner nichts mehr übrig bleibt, dann stimmt wirklich etwas nicht. Da fällt mir wieder eine Äußerung deines Traummenschen ein, die mir in den Magen schlug. Dies ist wieder so etwas. So ein “Ätsch, mit den anderen war es gut, jetzt mit dir brauch ich das nimmer!”
    Frauen, die mit der Pille verhüten können ja schonmal als Nebenwirkung die pure Unlust verspüren. Bei einem Mann finde ich nur Hintergedanken für seine Unlust. Sauer zu reagieren, wenn du deinem Bedürfnis in seiner Nähe nachkommst, das ist hart.
    Klar ist, dass nicht immer die Bedürfnisse genau übereinstimmen. Aber Verständnis für den anderen sollte da sein!!!
    Wenn da jetzt eine Stimme in dir hochkommt, es dir woanders zu holen, dann denke ich, seid ihr bald wieder dort, wo ihr vor dem großen Knall ward!
    Natürlich geht es in der Beziehung nicht nur darum, aber es ist ein wichtiger Bestandteil, wie du jetzt selbst merkst. Frust wegen der Lust, wie soll das denn weitergehen?

    ..grüßt dich syntaxia (mit ihren ehrlichen Gedanken dazu)

    • liebe syntaxia,
      genau, so klang das für mich – ätsch, mit dir will ich jetzt nicht mehr. das lässt einen auch extrem an einem selbst zweifeln, und das ist schlicht nicht fair.
      für unlust bei männern hintergedanken zu vermuten, gilt wohl für die mehrheit – aber wie sadboy schon schrieb, es gibt tatsächlich auch männer, die nicht dauernd wollen.
      dass mein mensch sauer reagiert hat kann ich insofern verstehen, dass er sich halt “benutzt” vorkommt. es ist ja auch nicht grade die feine art, und ich schäme mich dafür… dennoch war ich enttäuscht über das fehlende verständnis.
      die stimme ist nun übrigens verstummt, jetzt wo ich weiss, dass alles in ordnung ist – und mein traummensch wirklich einfach nur so viel auf einmal aufgebürdet kriegt, dass seine lust darunter leidet. jetzt, wo ich es gesehen und erlebt habe, kann ich wieder von meiner engelsgeduld schöpfen. das problem war wohl einfach, dass ich es nicht verstanden habe…

      liebe grüsse,
      aprikose

  8. Auch ich habe große Bedenken. Das kommt mir nur allzu bekannt vor, in jeder Hinsicht! Die Erzählungen von *früher*, die Entschuldigungen, die man sich selbst einredet usw.

    Ich kann dich nur warnen, so sehr ich dir dein Glück gönne, das weißt du ja hoffentlich. Irgendetwas passt nicht. Passt gewaltig nicht. Ich mache mir ernsthaft Sorgen um deine Beziehung, Aprikose. Ich habe mir sowas zwei Jahre schöngeredet, bis ich verlassen wurde. Ich hatte es längst gemerkt, genauso wie du und habe es nicht wahrhaben wollen vor lauter Liebe.

    • liebe irodeschi,
      ich habe mir auch sehr grosse sorgen gemacht. aber wie du im neuen beitrag siehst, zum glück waren meine sorgen umsonst. und das war keine kompensation, keine “abarbeitung” oder routine, sondern wirklich schön. mir fällt ein riesiger stein vom herzen!!

      liebe grüsse,
      aprikose

  9. wie geht es denn nun weiter? konntet ihr noch mal in ruhe darüber reden?
    Min

    • liebe min, schön dich wieder zu lesen :) ja, es ist alles in ordnung – und ich bin so froh darüber… lies im nächsten beitrag!

      liebe grüsse,
      aprikose

  10. Tja, da unser Apriköschen nichts mehr schreibt, nehme ich mal an, es wird gef***t, gepoppt, gevögelt, geschnackselt, gepudert oder wie meiner einer zu sagen gepflegt: Es wird Beischlaf vollzogen.

    • du ferkel! ich war im urlaub :P

  11. vielen, vielen dank euch allen! die kommentare haben mir sehr geholfen und ich danke euch, dass ich auch über dieses thema schreiben kann (ich habe ziemlich mit mir gekämpft, diesen beitrag überhaupt abzuschicken…).
    wie man im nächsten beitrag lesen kann, habe ich mir umsonst sorgen gemacht – oder um es anders auszudrücken, wir haben im urlaub nicht besonders viel schlaf gehabt ;)

    mein mensch macht mir jetzt sogar komplimente, was ihm früher extrem schwer fiel. alles wird besser, und ich bin nach diesen tagen sehr, sehr glücklich :)

    ganz liebe grüsse,
    aprikose

  12. [...] sind da noch mein etwas spezieller Umgang mit Geld, mit Geschenken und mit äh, Intimität. Ausserdem kann ich mich sehr gut für Dinge begeistern und steigere mich oft in gewisse Sachen [...]


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