Verfasst von: aprikose | 38. Januar 2011

Die dritte Entscheidung

Ich weiss, wir kennen uns kaum. Also, eigentlich schon seit fast genau einem Jahr, aber wir hatten nicht viel Kontakt. Ja, wir haben uns beide auf Anhieb gefallen, und du schriebst damals schon, dass du es schade finden würdest, dass ich vergeben wäre. Aber ein paar kurze Nachrichten hier, ein paar da, mehr war nie. Ich weiss nicht, was dich geritten hat, mir Anfang letzter Woche zu schreiben, ich solle dich anrufen. Tief in mir drin habe ich auch gewusst, dass ich damit etwas auslösen würde, aber ich hätte nicht gedacht, solch eine Lawine loszutreten, die ich sorgsam in mir befestigt hatte.

Wir haben einige Stunden telefoniert, aber wir kennen uns immer noch kaum. Trotzdem hast du wieder mich von Anfang an fasziniert. Und dann deine Stimme. Ich musste dich einfach sehen. Und jetzt sitze ich hier, total verwirrt, aber mit einem total warmen Gefühl ums Herz. Obwohl wir uns kaum kennen. Normalerweise tue ich das nicht. Normalerweise lerne ich einen Menschen kennen, bevor ich ihn nahe an mich heranlasse. Bei dir ist das anders. Du bist so stark wie ich, sogar noch viel stärker. Du bist selbstständig und lebst nach deinen Prinzipien. Als wir uns getroffen und darüber geredet haben, merkte ich erst, wie sehr ich meine eigenen Prinzipien vernachlässigt habe. Wie faul ich geworden bin. Ich habe mich entschlossen, wieder sportlicher zu werden. Und mein lang vergessenes Instrument hervorzukramen. Wieder gesund zu leben. Und ich spüre schon jetzt, dass mir das sehr gut tut.

Und dann… sind wir weiter gegangen, als der Kopf zulassen dürfte (nein, nicht SO weit…). Doch ein sehr guter Freund riet mir, in dieser Sache den Kopf aussen vor zu lassen und nur meinem Herzen zu vertrauen. Es höre sich so falsch an, Schluss zu machen und eine Nacht darauf einem anderen Menschen in den Armen zu liegen, und das stimme wohl auch. Aber es wäre noch falscher, deswegen uns beide leiden zu lassen, nur weil der Verstand sagt, dass es nicht in Ordnung ist, und partout nicht auf mein Herz zu hören.
Und mein Herz sagt mir, dass ich mich in dieser Nacht in deinen Armen so wohl gefühlt habe wie schon sehr sehr lange nicht mehr. Dass ich genau das all die Zeit vermisst habe, dass es ganz genau das ist, was ich immer gebraucht und nie erhalten habe: Diese Entgegnung meiner Zuneigung.

Und doch ist diese dritte und letzte Entscheidung nicht meine. Sondern deine. Auch du spürst, dass in dir drin etwas vorgeht, dass du mich sehr magst. Aber du bist sehr rational, und dein Kopf sagt dir, dass du nicht zu mir kommen und es versuchen kannst. Dass ich zu weit weg bin, dass du nicht aufgeben willst, was du dort drüben hast, dass du dort bessere Chancen hast als hier. Du sagtest mir, dass du dich nicht entscheiden könntest. Und ich sitze hier, ich idiotisches Früchtchen, male mir weiss Gott was aus, und mein Herz gefriert, als du mir sagst, dass wohl dein Kopf über dein Herz entscheiden wird. Mit einem Mal wird mir klar, dass ich dich will. Dass es mich mehr erwischt hat, als ich zugeben mag. Mit einem Mal wird mir klar, dass du nicht da sein wirst. Dass ich deiner Entscheidung ausgeliefert bin. Und plötzlich erscheint alles so sinnlos…

 

// Nachtrag, ein paar Stunden und Tränen später.

Nein. So nicht, Aprikose. Du suhlst dich jetzt nicht schon wieder im Selbstmitleid. Was soll das denn überhaupt? Du hast dich selbst in diese Situation gebracht, hast genau gewusst dass das passieren würde, also mach jetzt nicht das Schicksal verantwortlich für dein “Leid”. Sowieso. Schliesslich bist du schuld daran, dass dieser Mensch nun in der Zwickmühle steckt und sich zwischen Freunde, Familie und guten Zukunftsaussichten und dir, einer ungewissen Zukunft und einem neuen Leben entscheiden muss. Also, lass ihn in Frieden und kümmere dich um deinen Kram.

Die dritte Entscheidung? Ist meine eigene! Ein neues Lebenskapitel hat begonnen, ich habe meine Zeiger wieder auf Null gestellt und wollte es so. Nächster Schritt: Passe dein Äusseres deinem Inneren an. Ich fühle mich nicht mehr wohl in meinen Klamotten. Veränderung muss her. Nächste Woche geht es zum Friseur und Shoppen. Vielleicht noch zum Augen- und zum Zahnarzt.
Das ist mein Leben. Ich weiss, dass ich es verdammt noch mal kann. Ich mache nichts aus mir? Na, euch werd’ ich zeigen, was ich machen kann…

It’s a long way to the top!


Antworten

  1. Also, ich werde jetzt auch beginnen, meine Artikel zu liken, aber ich denke, Du hast Grund dazu … traue dich – weiter so…

    • :)

      ich entdecke mich immer wieder selbst ;)

  2. Auf auf ins neue Leben!
    Alles Gute Aprikose, du schaffst das was du willst!
    Und vor allem all das was dir gut tut!

    • danke! :)
      dasselbe sollte für dich gelten.

  3. [...] diejenige eines anderen Menschen, mit dem ich vor ziemlich genau einem Jahr viel kommuniziert habe. Die Rede ist von jemandem, dem ich viel verdanke. Von dem ich endlich dieses Gefühl des „Begehrtseins“ erhielt, der mir oft sagte, wie [...]

    • Vielen Dank für den Querverweis auf diesen Artikel, liebe Aprikose. Man versteht dich und deine Gedanken über diesen jemanden besser.
      Auf Entscheidungen von anderen warten zu müssen, ist immer eine harte Nuss, denke ich. Man ist es gewöhnt, selber die Zügel in die Hand zu nehmen und dort lang zu reiten im Leben, wohin man will, und das zu tun, was man will. Letzteres kann man auch gut, wenn man alleine ist und wenn man nur sich anguckt. Bezieht man jedoch eine andere Person mit ein, lässt man eine andere Person an seinem Leben teilhaben, so lässt sich das nicht mehr umsetzen. Man macht Kompromisse, und man gibt einem gegenseitig die Führung der Zügel. Am schönsten ist es natürlich, wenn man zusammen die Zügel nehmen darf, aber das kommt auch nur mit dem einen besonderen Menschen vor. Das ist auch gut so. Schließlich gehört etwas Besonderes nur dem besonderen Menschen erlaubt.

      Einen schönen Abend wünsche ich dir,
      Kiira


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