Irgendwann, als ich älter wurde, gab es die familieninterne Regel, dass wir uns zu Weihnachten nichts schenken sollten. Daran gehalten habe ich mich so gut wie nie. Ich mag es nämlich, Geschenke zu machen. Ich mag es aber nicht, Geschenke auf Teufel komm raus zu suchen. Meist kommt mir irgendwann eine Idee, wenn ich beim Stöbern in Geschäften oder im Netz auf etwas stosse, und manchmal sehe ich etwas und denke mir: Das ist etwas für genau diese Person! Auch besagte Person “nur” ein Freundmensch ist, dem ich noch nie etwas geschenkt habe.
In solchen Momenten warte ich nicht, bis Geburtstag, Weihnachten oder was auch immer ist. Da schlage ich zu. Dass das Geschenk dann monatelang bei mir gehortet wird, macht mir nichts aus, denn dafür habe ich etwas genau passendes gefunden. Wenn ich aber nichts finde, dann schenke ich auch nichts. Ausnahme: Sehr enge Freunde, Familie, da suche ich natürlich immer was. Aber auch da gilt grundsätzlich: Ein Geschenk des Geschenkes willen, wie Schokolade oder Gutscheine und dergleichen, das mache ich nicht, finde ich grauenhaft. Dann doch lieber nur eine Karte. Oder ein Abend zu zweit.
Ich habe meinem literaturbegeisterten Exmenschen zu seinem Geburtstag ein ganz besonderes Geschenk gemacht. Ich habe einen wertvollen Einband besorgt und mir tagelang überlegt, welche Ereignisse “unsere” Geschichte denn geprägt hatten. Ich schrieb alles nieder, zunächst in elektronischer Form, und setzte die Geschichte schliesslich auf ein Märchen um, da ich wusste, dass dieser Mensch mit den alten Kindermärchen aufgewachsen war und diese liebte. Aus Gegenständen wurden Fabeltiere, aus Personen wurden “klischierte” Gestalten, aus Situationen wurden Sagen. Schlussendlich schrieb ich alles von Hand nieder und verzierte das Buch mit Seitenrändern, schmucken grossen Kapitel-Anfangsbuchstaben und so weiter.
Ganz knapp rechtzeitig zum runden Geburtstag bin ich fertig geworden. Es war eine Höllenarbeit, die ich total unterschätzt hatte, aber es war gleichzeitig das schönste Geschenk, das ich je einem Menschen gemacht hatte. Das empfand dieser ebenso. Es war auch das einzige Geschenk, das beim Auszug nicht wieder auf meinem Schreibtisch zurückgeblieben war.
Habe ich mal erwähnt, dass ich während der ganzen Zeit kein einziges Geschenk von meinem Menschen bekommen hatte? Gerade danach hat mir das so einen Stich versetzt. Die reuevollen, auch ehrlich gemeinten Entschuldigungen waren da, die Gelegenheiten aber stets vorbei. Der fade Beigeschmack blieb. Es zählt nicht der Aufwand, ob man nun zwei Klicks bei Amazon macht oder tagelang selbst daran arbeitet. Es zählt der Gedanke. Dass man sich überlegt, was man einem Menschen – gerade auch seinem Menschen! – geben möchte, was zu ihm passt. Der einfache, tägliche Grundgedanke einer Partnerschaft weitergestrickt: Womit man diesem Menschen, wer er auch sein mag, ein Lächeln ins Gesicht zaubern kann.
Ich bin eher pragmatisch was Geschenke betrifft, versuche aber auch etwas besonderes zu finden … Die “Regel” gibt und gab es bei mir auch.
Ich finde es dann gerade schön trotzdem zu schenken oder geschenkt zu bekommen.
Ich bekam lange Zeit immer ein kleines Gedicht, aber auch im neuen Leben gab es schon ein eigenes Lied :-)
Ich glaube ein Strauß Blumen auf der Wiese gepflückt, kann schon zeigen, wie sehr man jemand mag.
Von: Mario am 190. Januar 2011
um 08:00
oh, ein frühaufsteher :)
solch kleine gesten reichen völlig aus, für mich zumindest. ich freue mich auch nur schon über zettelchen am kühlschrank. mein exmensch war in der hinsicht leider ziemlich unbegabt… aber die menschen sind halt verschieden.
an weihnachten weiss ich nie wohin mit all der schokolade… ich glaube, ich lege mir mal sowas wie einen amazon wunschzettel an ;)
liebe grüsse,
aprikose
Von: aprikose am 190. Januar 2011
um 08:11
… eher ein Frühaufwacher, aufstehen würde ich gerne später.
Amazonwunschzettel ist gut und bei jeder E-Mail als Signatur :-)
Von: Mario am 190. Januar 2011
um 12:47
geht mir auch so – aber wenns hell wird, kann ich nicht mehr schlafen :)
Von: aprikose am 191. Januar 2011
um 12:03
Es sind die kleinen Aufmerksamkeiten zwischendurch, dieses ich-habe-mir-Gedanken-gemacht.
Früher habe ich mir mit meiner besten Freundin immer tolle Geschenke gemacht. Sie waren grundsätzlich persönlich und immer selbst gemacht – wahre Unikate!
Mittlerweile haben wir uns aus zeitlichen Gründen darauf geeinigt, an unserem Geburtstag Geld in ein Sparschwein zu tun. Davon unternehmen wir dann etwas Schönes. Das ist noch immer sehr persönlich :)
Ich finde Kleinigkeiten zwischendurch sind immer schöner als die “Muss-Geschenke” an Geburtstagen und Weihnachten. Einfach mal ein Blümchen mitbringen, einen Tee kaufen oder überraschend das Lieblingsessen für jemanden kochen. Diese kleinen Aufmerksamkeiten sind es auch oft, die eine Beziehung am Leben erhalten.
Oder wie du schreibst: das Zettelchen am Kühlschrank. Kleiner Zettel, wenig Arbeit – riiiiiiiiiiiiiesige Wirkung!
Von: gedankenfest am 190. Januar 2011
um 11:45
natürlich, ich finde diese “muss”-tage auch nicht so super. allerdings erwarten viele dann ein geschenk von einem und sind enttäuscht, wenn nichts kommt. das hat sich halt so eingebürgert. ich bin ja selbst auch enttäuscht, wenn ich zum geburtstag nicht mal eine kleinigkeit erhalte.
wenn man wiederum “aus dem nichts” geschenke macht, kriegt man manchmal sogar hochgezogene augenbrauen zu sehen, im sinne von “was-hast-du-jetzt-schon-wieder-angestellt” (oder es werden ganz andere absichten unterstellt, wenn es sich halt nicht um den engsten kreis handelt)…
ich persönlich liebe handgeschriebenes. ich behalte sogar zettelchen, auf denen nur eine einkaufsliste geschrieben wurde, zusammen mit einem herzchen oder einem “bis bald” :)
liebe grüsse,
aprikose
Von: aprikose am 190. Januar 2011
um 11:56
Ich schenk auch immer etwas an Geburtstagen und Weihnachten. Und ich freue mich natürlich auch, wenn ich eine Kleinigkeit kriege. Aber je persönlicher das Geschenk, desto schöner ist es meistens.
Meine Mutter hatte mir zum 20. Geburtstag ein Fotoshooting geschenkt. Ihre Intention: Ich soll nicht immer so kritisch sein und mal sehen, wie hübsch ich bin. Das war ein tolles Geschenk. Sie macht sich immer sehr viele Gedanken.
Ich verschenke auch am liebsten persönliche Dinge. Vor allem das Handgeschriebene mag ich auch so gern wie du. Ich habe schon ganz vielen Menschen ein kleines Büchlein geschenkt, wo ich auf jede Seite ein schönes Zitat geschrieben habe. Das war viel Arbeit, aber es hat Spaß gemacht und kam immer gut an :)
Von: gedankenfest am 190. Januar 2011
um 12:06
Liebe Aprikose,
diesmal entdecke ich die Parallele zwischen uns. Ich bin genau wie du ein Mensch der gern schenkt und die Geschenkideen in ein kleines Büchlein schreibt, zu dem Zeitpunkt in dem die Ideen entstehen. Ob und wann es dann verschenkt wird, steht meist noch nicht fest. Auch ich habe einen Kasten, in dem verschiedene Dinge nur auf Ihren Einsatz warten.
Vor allem “meinem Menschen” ist es unangenehm etwas von mir geschenkt zu bekommen. Am schwierigsten ist es, wenn es keinen gesellschaftlich anerkannten Anlass gibt. Auch wenn er sich freut, hat er ein schlechtes Gewissen. Aber mir bereitet es selbst so viel Freude, dass ich gern schenke. Dass ich auch gern die Arbeit, Mühe und Zeit investiere, weil diese mir nicht zu schade ist, sondern Kraft gibt, irgendwie auch eine Abwechslung zum Studium ist… mittlerweile vesuche ich mich aber sehr zurückzuhalten auch mit Kleinigkeiten wie Zettelchen usw. Man darf nicht aus den Augen verlieren, dass es manchmal nicht auf Gegenseitigkeit beruht…wie bei deinem Exmenschen zB.. Er hätte dir kein selbstgebasteltes Buch schenken müssen…aber (wie schon gesagt) ein Blümchen, ein Zettelchen, eine klitzekleine Aufmerksamkeit die zeigt: hey Aprikose, du bedeutest mir etwas, ich mag es dafür verantwortlich zu sein, dass du dich freust, mir gibt es etwas, wenn ich dir irgendwie zeigen kann, dass du mir wichtig bist…
Ich hebe mir auch Zettelchen auf. Ich führe ein Positivtagebuch. An manchen Tagen liegt nur eine Eintrittskarte, ein Kassenzettel oder ein handgeschriebener Zettel drin. Manchmal steht auch nur ein Wort, ein Name oder eine Zahl drin. In Zeiten in denen ich traurig bin, schau ich dann da rein und schwelge in Erinnerung an die schönen, positiven Dinge in meinem Leben…und es gibt jeden Tag etwas Positives.
Ich freu´mich immer, wenn du etwas neues schreibst.
Lieber Gruß
Von: Summer am 190. Januar 2011
um 12:31
das freut mich sehr :)
das war bei mir genauso “schlimm”. es ging sogar so weit, dass die geschenke unausgepackt tagelang herumlagen… da hab ich dann schon mal beleidigt reagiert :)
ich weiss nicht woran das alles lag. vielleicht war mein exmensch einfach zu sehr mit sich selbst beschäftigt und hatte keine kraft mehr für mich. denn obwohl er mich über alles liebte, habe ich das nicht so zu spüren bekommen, wie ich das erhofft hatte. vielleicht erfahre ich das eines tages…
das positivtagebuch ist eine schöne idee! da wünsch ich dir, dass du da ganz oft den namen deines menschen hineinschreiben kannst :)
liebe grüsse,
aprikose
Von: aprikose am 191. Januar 2011
um 12:14
Mir ging es vor einiger Zeit ähnlich. Ich habe – wegen meiner schönen, jedoch unlesbaren Handschrift – ein Fotobuch erstellt, in dem ich “unsere” Geschichte niedergeschrieben habe. Er sagte, dass es das persönlichste Geschenk war, das er je bekommen hat.
Prinzipiell halte ich es so, dass ich, sobald ich ein potenzielles Geschenk sehe, es kaufe und so lange aufbewahre, bis der richtige Zeitpunkt zum Verschenken gefunden ist. Ich bevorzuge persönliche Geschenke. Falls das nicht geht, schenke ich aber auch praktisches. (Wenn die Person z. B. gerne ins Kino geht, dann verschenke ich einen Kinogutschein.)
Von: banalesundbonbons am 190. Januar 2011
um 17:27
meine rede :)
schön ist es natürlich, wenn man etwas verschenken kann, das beide verbindet. in deinem fall das fotobuch. das hätte mir auch gefallen ;)
Von: aprikose am 191. Januar 2011
um 12:05
Ja, wichtig ist die Idee und der Wille jemandem eine Freude zu machen, sei es dann ein One-quick-Klick oder aber eine CD, in die man dutzende Stunden und auch den einen oder anderen Euro gesteckt hat …
Von: the rufus am 191. Januar 2011
um 22:46
ja, das geschenk von dir fand ich auch total schön :)
Von: aprikose am 195. Januar 2011
um 10:08
Hast Du etwa irgendwo eine Kopie aufgetrieben? tststs….
Von: the rufus am 195. Januar 2011
um 20:59
Trotz der vielen Kommentare wollte ich auch noch etwas sagen ^^
Meine Mutter macht das auch immer. Wenn sie etwas sieht, dass jemandem aus ihrem Freundeskreis oder jemandem aus unserer Familie gefallen würde, kauft sie es. Sie hat auch einen Geschenkevorrat, wo sie zur Not immer irgenetwas hat, wenn sie irgendwo eingeladen ist. ^^
Ich finde das eine gute Idee. Dann kommt man 3 Tage vor dem Geschenkeausteilen nicht noch in Stress mit dem Einkaufen und ist sich viel sicherer, ob es derjenigen Person gefällt. :)
LG maskenmaedchen
Von: maskenmaedchen am 195. Januar 2011
um 22:30
was heisst denn hier “trotz”… gerade deswegen ;)
ist halt einfach schöner, wenn man sich immer ein bisschen im hinterkopf behält, wem was gefallen könnte. ein geschenk ist schön. ein geschenk mit einem gedanken dahinter ist wundervoll :)
liebe grüsse,
aprikose
Von: aprikose am 197. Januar 2011
um 21:57
Ich kann mir vorstellen, dass das eine wahnsinnige Arbeit für dich war. Aber allein daran merkt man doch, wie viel dir dieser Mensch bedeutet hat.
Von: Choga Ramirez am 212. Januar 2011
um 03:25
und auf eine verquere art und weise tut er es immer noch…
Von: aprikose am 212. Januar 2011
um 17:23
Willkommen im Club. ;)
Von: Choga Ramirez am 212. Januar 2011
um 17:40
ich kündige grad meine mitgliedschaft ;)
Von: aprikose am 212. Januar 2011
um 17:50
[...] sind da noch mein etwas spezieller Umgang mit Geld, mit Geschenken und mit äh, Intimität. Ausserdem kann ich mich sehr gut für Dinge begeistern und steigere mich [...]
Von: 5 « why does my heart… am 334. Januar 2011
um 02:50