Verfasst von: aprikose | 287. Januar 2011

Geben oder Nehmen?

Vor kurzer Zeit las ich bei Elisabeth vom Geben… was mich ein wenig ins Grübeln brachte. Ich gebe unglaublich gerne, unaufgefordert – und gerade bei Geld bin ich sehr frei. Auch Erdbeere hat vor ein paar Tagen einen Satz von sich gegeben, der mich zum Nachdenken brachte, da ich diese Aussage sinngemäss auch von anderen Menschen immer mal wieder zu hören kriege:

“Ach Aprikose, du bist viel zu nett für diese Welt!”

Aber ist es denn so falsch, einfach direkt auf die Menschen zuzugehen, ihnen Vertrauen zu schenken und Freunden in Notsituationen unter die Arme zu greifen? Ich habe nun mal einen sehr liberalen Umgang mit Geld. Ich komme nicht aus reichem Hause, und ich habe früh gelernt, mit Geld umzugehen. Ich bin sehr sparsam und brauche für mich selbst eigentlich nicht viel Geld. Nach meinem Erststudium hatte ich eine kleine, fünfstellige Summe zusammen, mit der ich gar nicht wusste, was anzufangen. Ich habe es meinem Bruder geliehen, damit er sich sein erstes Auto kaufen konnte. Dass mich dabei alle mit hochgezogener Augenbraue musterten, habe ich mit einem Schulterzucken quittiert. Es ist doch nur Geld, sage ich immer, Geld ist nicht das Problem. Ist es auch nicht, wenn man damit umzugehen weiss – und eine einigermassen gesicherte Zukunft hat. (Ich weiss, gegenüber Menschen, die wirklich Geldprobleme haben, klingt das jetzt wohl etwas arrogant…)

Ich habe überhaupt kein Problem damit, Freunden zinslos Geld zu leihen oder ihnen sonstige finanzielle Gefallen zu tun. Nur leider teilen viele diese Ansicht nicht und haben vor Geld grosse Berührungsängste. Das kann auch gut nach hinten losgehen, wie die Geschichte mit meinem Ex-Menschen zeigt (ich bin einige Monate alleine für unser beider Leben aufgekommen). Aber ich habe es gern getan und würde es beim nächsten Mal wohl nicht grossartig anders machen. Und dass ich einem Freundmenschen gerade ein paar hundert Euro in die Hand gedrückt habe und meinte, dass das vorerst in Ordnung sei, darf ich niemandem erzählen, sonst fassen sich wieder alle an den Kopf. Ein bisschen konkreter drückt sich meine Mutter aus:

“Ich habe so das dunkle Gefühl, du hast nicht viel aus der Geschichte mit deinem Ex-Menschen gelernt, sondern verteilst dein Geld nach wie vor grosszügig unter allen möglichen Leuten… schau bitte, dass du nicht plötzlich auch ohne Kohle dastehst und am Schluss noch aus deiner schönen Wohnung rausfliegst!
Naja, du musst das selber wissen, wünsche mir aber schon, dass du mal lernst, das Leben für dich zu geniessen und nicht immer auf andere zu schauen. Was du erreicht hast, hast du alles aus eigener Kraft erreicht und der Gewinn daraus gehört nur dir allein!”

Egoistisch? Mag sein, sie hat ihre Gründe. Aber ich kann nicht dabei zusehen, wenn jemand offensichtlich Geld braucht – und sei es nur, um sich einen Wunsch zu erfüllen – während ich eigentlich völlig zufrieden bin. Und den Urlaub auf den Malediven werde ich mir dann gemeinsam mit einem ganz besonderen Menschen teilen. Bis dahin hab ich auch genügend angespart, um sogar für uns zwei zu bezahlen – was dann aber wohl wieder zu einer Diskussion führen wird…


Antworten

  1. Es ist dir auf jedenfall hoch anzurechnen, wenn du andere mit deinem Geld unterstützt und du das sogar gerne machst.

    Das Problem ist, dass andere – insbesondere was Geld betrifft – diese Eigenschaft ausnutzen versuchen und du dann der Dumme bist.

    Es ist doch auch nicht fair, wenn du arbeitest, studierst, sparsam lebst, damit andere verschwenderisch dein redlich verdientes Geld verprassen können.

    Auch, wenn man das Geld momentan nicht braucht oder nicht weiß, wohin damit, dann sollte man immer daran denken, dass es womöglich in der eigenen Altersvorsorge am Besten aufgehoben ist. In eigenem Eigentum …

    Das hört sich wohl egoistisch an, aber wenn es um’s Geld geht, ist das (normalerweise) jeder und viele sind da auch skrupellos.

    • so wirklich “verschenkt” habe ich mein geld bisher nur an meinen ex-menschen. wenn ich alles nachrechnen würde, käme ich auf einige tausend euro. tue ich aber nicht, weil ich das wirklich gerne getan habe. ich wollte nahe bei meinem menschen sein. ich war vielleicht blind vor liebe. ein wenig vorsichtiger werde ich in zukunft schon sein, denke ich.
      und ansonsten sind es eigentlich nur leihgaben, für die ich keinen zins und keinen festen rückzahlungstermin verlange… und solange ich noch kein sechsstelliges vermögen habe, lohnen sich auch die 0.0025 prozent zinsen der banken nicht wirklich ;)
      für mich hört die freundschaft auch beim geld nicht auf. und ich hoffe, dass das so bleibt…

      liebe grüsse,
      aprikose

  2. Geld hat für mich nie eine Rolle gespielt. Sei dem ich Verantwortung trage, ist es plötzlich wichtig und ich überlege, wie ich es konstant halten kann.
    Die “Einladung” zu den Malediven nehme ich gern an ;-)

    • *grins* woher weisst du denn, dass du gemeint bist? ;)

      naja, konstant und aufbauend sollte es bei mir eigentlich auch sein, aber solange ich noch in meiner ausbildung bin, steht das nicht an erster stelle. später aber definitiv. ich kann kaum mitansehen wie gestandene leute auf plusminus wenigen tausend euro stagnieren. bestes beispiel: mein älterer bruder. sobald er geld hat, gibt er es aus.
      aber meine art, für “irgendetwas” zu sparen mag vielleicht genauso extrem sein…

      liebe grüsse,
      aprikose

  3. Ich finde das großartig von dir. Dein Umgang mit Geld gefällt mir. Solange ich Geld habe, kann ich mir was gönnen und gebe auch gerne großzügig.
    Mein Liebster sagte mal sehr schön: Geld spielt keine Rolle, wir haben eh keins.
    Es ist zwar nicht so, dass wir gar kein Geld haben, aber Geld ist es eben nicht, was das Leben schön macht. Wenn ich 100 Euro habe, die ich in naher Zukunft ohnehin nicht ausgebe und derzeit auch nicht brauche, warum sollte ich nicht jemandem einen Gefallen tun, der sie jetzt gebrauchen kann und sie mir in naher Zukunft wieder zurück gibt?

    Der Knackpunkt bei “zu nett für diese Welt” ist vor allem, dass man viel gibt und es wenig gedankt wird bzw. wenig dafür zurückkommt. So läuft man Gefahr, ausgenutzt zu werden. Ich finde es aber sehr schön, dass du trotz deiner Erfahrung mit deinem Ex-Menschen dennoch daran festhältst. Ich würde es auch tun, denn ich glaube, wie du auch, an das Gute in jedem Menschen. Und jeder Mensch bekommt seine Chance, egal ob die Menschen davor ihre Chance vermasselt haben oder nicht.

    Du bist ein guter Mensch, liebe Aprikose. Davon gibt es nicht mehr allzu viele. Bleib so, wie du bist, solange du glücklich bist :)

    • ach, danke für deine liebe worte… welch balsam für meine seele :)

      Und jeder Mensch bekommt seine Chance, egal ob die Menschen davor ihre Chance vermasselt haben oder nicht.

      ganz genau! und diese einstellung möchte ich auch leben. ich kenne zu viele menschen, die aus irgendwelchen altlasten heraus probleme und vorurteile im umgang mit neuen menschen haben. auch ich bin nicht wirklich gefeit dagegen, aber ich versuche immer, gegenzusteuern. und vielleicht stecke ich auch einige andere menschen damit an…

      dass meine gutgläubigkeit manchmal ausgenutzt wird, damit muss ich leben. aber ich habe glücklicherweise genau dadurch sehr gute freunde gewonnen, die mich in einem solchen fall darauf hinweisen, ähnlich wie meine mutter ;)

      liebe grüsse,
      aprikose

  4. [...] sind da noch mein etwas spezieller Umgang mit Geld, mit Geschenken und mit äh, Intimität. Ausserdem kann ich mich sehr gut für Dinge begeistern und [...]


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