… wünscht man mir. Also werde ich mal berichten, was draus geworden ist, denn das Treffen aus dem vorigen Beitrag hat tatsächlich stattgefunden.
Mitbewohner rausgeschmissen, Wohnung und Aprikose geputzt und bereit. Es kann losgehen. Wenn auch alles ein bisschen eilig, denn Radieschen schreibt plötzlich viel zu früh vor unserem “Termin”:
Ich fahre jetzt los… ich kann mich auf Arbeit nicht mehr konzentrieren ;)
Und kurze Zeit später klingelt es wirklich an der Tür. Das Radieschen steht da, eine ganze Weile, als wüsste es nicht, ob es wirklich reinkommen will. Es will. Und es ist sehr nervös… aber das beruhigt wenigstens mich ein bisschen. Ich zeige dem Radieschen die Wohnung, mache Smalltalk, und wir setzen uns ins Wohnzimmer. Radieschen schüttelt immer wieder ganz leicht den Kopf und grinst verlegen, während es murmelt “ich kann irgendwie immer noch nicht glauben, dass ich hier bin… du etwa?”
Nein… nicht wirklich. Es erscheint ziemlich surreal, zumal ich das Radieschen nun auch schon eine ganze Weile kenne. Dennoch bin ich erstaunlich ruhig. Wir trinken ein Gläschen zusammen und unterhalten uns über die letzten Monate, gemeinsame Freunde, die Arbeit, das Übliche. Dennoch können wir uns beide das unanständige Grinsen nicht vom Gesicht wischen… weil wir genau wissen und geplant haben, wie der Abend weiter verläuft.
Ich frage das Radieschen während des Abends immer wieder, ob es “das” nun durchziehen möchte, ob es sich sicher ist. Ja, antwortet es immer wieder, und beim vierten oder fünften Mal grinst es nur und küsst mich plötzlich. Pass auf, meint es, ich dusche jetzt kurz und dann reden wir weiter, ja? Ich grinse zurück und frage nur noch – Reden?
Eine sehr, sehr heisse Nacht später klingelt der Wecker viel zu früh. Eines der wunderschönsten Dinge war, nackt, umschlungen, aneinandergekuschelt einzuschlafen und aufzuwachen… das war etwas, das ich in meinem gesamten Beziehungsleben bisher nie hatte, und nun ironischerweise über eine Affäre erhalte. Toll! Radieschen verabschiedet sich mit einem glühenden Kuss, während ich im Bett wieder einschlafe und mir vorstelle, dass da immer noch jemand liegen würde.
Die Nachrichtenwechsel darauf sprechen eine klare Sprache. Für das Radieschen war die Nacht anscheinend fast noch erfüllender als für die Aprikose, denn nach mehrmaliger Betonung, wie toll es zusammen war, wurden schon Pläne geschmiedet für ein nächstes Mal. Klar, dass ich da nicht unbedingt abgeneigt bin… aber das Gewissen packte mich dann doch.
Aprikose: Ja, die Nacht war toll! Aber deswegen unnötigerweise die Beziehung aufs Spiel zu setzen… das könnte ich nicht. Das ist doch schon beinahe Leichtsinn!
Radieschen: Ich bin auch hin- und hergerissen und habe dieselben Gedanken… ich möchte die Beziehung nicht aufs Spiel setzen, auch wenns nicht “unnötigerweise” wäre… Aber ich kann mir nicht vorstellen, das nicht noch mal mit dir wiederholen zu können!
Aprikose: Aber jetzt mal im Ernst: das kannst du nicht auf immer und ewig weiter treiben… oder wie denkst du darüber? Du musst doch irgendwie wieder auf sexueller Basis zu deinem Partner finden… Sonst verliert ihr doch irgendwann gänzlich die Lust an euch!
Radieschen: Ja… Du hast ja recht. Wirklich. Du meinst das lieb, das weiss ich, und ich finde das richtig toll von dir… aber ich weiss nicht was ich dazu sagen soll.
Aprikose: Ich mag dich halt, und ich will nicht, dass du dir wegen sowas irgendwas kaputt machst. Überleg dir das wirklich gut.
Radieschen: Ach Aprikose… du bist viel zu lieb ;) Ich hatte ja auf der Fahrt lange Zeit zu überlegen… und auch hier zuhause hab ich mir die Sache oft durchgedacht… und ich muss ehrlich zugeben, dass ich es weiterhin möchte. Erstaunlicherweise erkenne ich mich nicht wieder. Wie gesagt, ich liebe meinen Partner wirklich (ich hoffe es ist okay, wenn ich das so schreibe), aber trotzdem kann ich, und das haut mich selber um, Liebe und Sex trennen – tatsächlich. Ich versteh das selbst nicht ganz… weil es mies ist, und ich nicht mies sein möchte… aber irgendwie möchte ich auch tollen Sex haben, verstehst du? Und ich denke nicht, dass ich das mit meinem Partner hinbekomme. Es ist halt so. Und nach dreieinhalb Jahren Diskussionen habe ich mich damit abgefunden… es ist komisch, aber es geht. Und mich frustriert das auch nicht (mehr!).
Aprikose: Ich weiss nicht, ob das bewundernswert oder beängstigend ist…
Radieschen: Keine Ahnung. Eher zweiteres… weil das nicht in Ordnung ist, dass man fremd geht… aber wie ich dir schon gesagt habe, sonst ist alles perfekt… und irgendwas ist halt immer ;)

Ich mag keine Radieschen….
Von: Mascha am 50. Januar 2012
um 05:37
es sei dir gegönnt!
deine kommentare haben mich sehr zum nachdenken gebracht… ich überleg mir was.
liebe grüsse,
aprikose
Von: aprikose am 50. Januar 2012
um 23:42
Ich bin wohl zu alt für solche Spielchen …
“Ich liebe …” jemanden zu sagen bzw. danach zu handeln, bedeutet bei mir, 100% …
Sex hole ich mir da, Essen gehe ich da (weil meine Freundin nicht so gut kocht) … und so weiter. Das ist schon sehr verlogen!
Nichts gegen pure Lust. Ich würde so einem Menschen nicht über den Weg trauen … ganz egal was er da erzählt.
Von: Mario am 50. Januar 2012
um 11:02
ich bin halt noch ganz jung, und ich erlebe auch grade meine sturm- und drang-zeit, habe ich das gefühl ;)
zum thema liebe: da hast du recht, das sehe ich auch so.
aber siehst du das wirklich noch als partnerschaft? ich nicht! in einer beziehung muss irgendwas extrem schief laufen, dass man sich zum seitensprung entscheidet. ich denke nicht, dass das noch zukunft hat, egal was radieschen sagt…
das hat aber nichts mit vertrauen oder glauben zu tun, sondern, so denke ich, dass das radieschen es einfach selber noch nicht wahr haben will, dass die beziehung gescheitert ist. es redet sich die situation schön (“eigentlich liebe ich meinen partner, es passt ja nur der sex nicht”) und ist dann einfach blind für das wesentliche.
man kann nicht viel für seine gefühle, und beziehungen scheitern manchmal einfach. dass das radieschen sich hier aber nicht gerade fair verhält, ist offensichtlich. mir gegenüber jedoch ist es offen und ehrlich.
liebe grüsse,
aprikose
Von: aprikose am 50. Januar 2012
um 23:57
Obst und Gemüse … mhhhh, mal sehen, was das wird? YDu
Von: yuppidu am 50. Januar 2012
um 12:30
kann funktionieren, muss aber nicht…
Von: aprikose am 50. Januar 2012
um 23:43
haarige sache würde ich sagen, hoffentlich stehst du nachher nicht schlechter da als vorher … nach dem, was ich von dir gelesen habe, hätte dir eine “gerade” sache mit viel herz gut getan, aber woher nehmen, wenn nicht “stehlen” … wünsche dir trotz allem, dass es für dich gut läuft … längerfristig Ydu * radieschen ??? apfelsine, mandarine, mangosine, banadine, …rosalinde, rosasine, bernhardine, alexandrine, wie kamst du da ausgerechnet auf radieschen? ;-)
Von: yuppidu am 51. Januar 2012
um 00:10
ja, da hast du recht… ich bin eher ein herzensmensch. so ein affärending hätte ich eher meinem mitbewohner als mir selbst zugetraut…
radieschen? na weil es scharf ist ;)
Von: aprikose am 58. Januar 2012
um 21:34
…gibt es nicht ein Gemüse was keinen Partner zu Hause sitzen hat…?!
Von: Summer am 50. Januar 2012
um 22:49
bestimmt… aber ich denke, hätte ich diesen menschen nicht schon zuvor gekannt, hätte er mir verschwiegen, dass er einen partner zuhause hat. gebremst habe ich genug, viele hätten an meiner stelle die situation einfach nur ausgenutzt…
(ein kleiner teil von mir hoffte auch stets ein wenig, dass das radieschen einen rückzieher macht…)
liebe grüsse,
aprikose
Von: aprikose am 50. Januar 2012
um 23:51
aufgewärmtes gemüse mit kompott, das riecht nach komplott Ydu * nur sinnfrei gereimt, wohl etwas abgefeimt … ;-)
Von: yuppidu am 51. Januar 2012
um 00:13
Vielleicht sehe ich es falsch, aber ich glaube nicht, dass die Welt schwarz-weiß ist. Dass heißt, ich glaube, Radieschen kann wirklich seinem Menschen lieben. Halt stimmt dort etwas nicht. Und leider ist es Sex. Ich kenne einem Paar, sie sind beide in der Rente. Sie hat schon vor langem Lust an Sex verloren, er aber nicht. Da hat er eine Affäre. In der geht es wirklich nur um Sex. Sie weißt es, eigentlich war sie diejenige, die ihm es empfohlen hat. Seit dem leben sie wieder ein glücklicher Leben. Und sie lieben sich wirklich. Ich weiß zwar, dass es etwas anderes ist, aber ich will damit nur sagen, dass was für jemandem no-go ist, andere glücklich machen kann. Vielleicht habe ich einfach nur zu viel erlebt um zu pauschalisieren.
Wenn du es mit dein Gewissen vereinbaren kannst, sehe ich kein Grund dafür es nicht zu wiederholen. Nur Vorsicht mit Gefühle, wenn du feststellst, du hast Gefühle für ihm, wird es zu spät.
Von: Anah am 51. Januar 2012
um 00:17
pauschalisieren kann man sowieso nie! ich versuche solche dinge auch immer wertfrei zu sehen, und ich habe gelernt, dass man auch wichtige prinzipien manchmal überdenken muss. man kennt selten alle umstände, und es ist schwer, sich in andere menschen vollständig hinein zu versetzen. was für einige in ordnung ist, können sich andere niemals vorstellen…
liebe grüsse,
aprikose
Von: aprikose am 58. Januar 2012
um 22:53
Guten Abend, liebe Aprikose :)
Danke, dass du unsere neugierigen Bäuche mit Nahrung fütterst.
Es freut mich ehrlich, dass du die Nacht genossen hast.
Und jetzt ist nicht die Zeit gekommen, sich Gedanken darüber zu machen. Du sagst selber, du fühltest dich gut, dann lass das Ereignis mit diesen Gedanken in der Vergangenheit. Ist doch schön. Du hast dir vorher schon genügend den Kopf zerbrochen … .
Ich musste am Montagabend selber erst mal mit nem sprichwörtlichen Brett geschlagen werden, um daran erinnert zu werden, dass ich anderen guttue, in dem ich so bin, wie ich bin. Und nicht, in dem ich werde. :)
Liebe Grüße,
Kiira
Von: Kiira am 52. Januar 2012
um 19:55
neugier ist der katze tod ;)
ja, es war wirklich schön… aber irgendwas ist ja immer – siehe nächster post.
man kann werden! das ist kein problem. veränderung ist gut, solange es einfach nicht in verbiegen endet. ich glaube, das ist damit gemeint ;)
liebe grüsse,
aprikose
Von: aprikose am 58. Januar 2012
um 23:01
Und ich dachte “Fröhliches Fasten” – das war’s aber anscheinend nicht … :D
Von: the rufus am 56. Januar 2012
um 09:35
wer weiss ;)
Von: aprikose am 58. Januar 2012
um 23:02